Von Wolfgang Sedlmeier, Pfarrer der deutschen Gemeinde St. Albert Paris
Roms älteste Tochter, mit diesem Ehrentitel schmückt sich Frankreichs Kirche noch immer gern, denn sie spielte ja schon zu Zeiten Irenäus' von Lyon (2. Jahrhundert nach Christus) in der absoluten Oberliga der Theologie ganz vorn mit. Dass man es sich richtig wohl sein lässt, wenn man lebt wie Gott in Frankreich, weiß man auch in Deutschland, wenngleich man bei dieser Redewendung wohl eher auf die sehr privilegierte Stellung der Kirche im vorrevolutionären Frankreich anspielt. Aber wie lebt die Kirche Frankreichs heute im 21. Jahrhundert. Nun die Antwort fällt sehr geteilt ausfallen. Bis auf die Gebiete von Elsaß-Lothringen unterliegt die französische Kirche der sogenannten Laicité, der Trennung von Kirche und Staat. Der Staat enteignete die Kirche de facto 1905 und verhält sich seither im Prinzip religiös indifferent. Im öffentlichen Leben Staatsbürger/in, im privaten Leben Christ/in, ist seither die offiziell gewünschte Maxime. Allerdings gibt es dann doch Schnittmengen. Da sind z.B. die bis 1905 gebauten Kirchen. Der Staat bzw. die öffentliche Hand sind deren Eigentümer, während die Kirche die Gebäude nutzen darf. Die Unterhaltung finanziert also der Staat, während die Kirche die Nutzung finanziert.
Da sind die katholischen Privatschulen, die eine sehr gute Reputation besitzen, die seit den 20er Jahren wieder die Republik überziehen. Da ist ein christlicher Rhythmus der Feiertage, der verrät aus welcher Tradition Frankreich stammt – am Karfreitag wird gearbeitet, aber an Maria Himmelfahrt ist Feiertag. Da gibt es ein eigenes Militärbistum mit eigenem Bischof und eigener Kathedrale in den Invalides und eine Gefängnisseelsorge. Aber ansonsten geht die religiöse Neutralität über alles. An den öffentlichen Schulen und in den öffentlichen Einrichtungen sind alle religiösen Symbole verboten, so dass auch die Schüler und Schülerinnen weder Kreuz, noch Davidsstern, noch Kopftuch tragen dürfen. Für die Kirche stellt sich in einer solchen gesellschaftlichen Randposition die Frage, wie sie ihren Platz finden soll. Sie tut es sehr unterschiedlich.
Da ist die Situation der Kirche auf dem Land in weiten Teilen Frankreichs fast katastrophal. Da gibt es Diözesen in denen ein Priester bis zu 30 Pfarreien zu versorgen hat. Die Diözese Soisson hat gerade noch drei Priester, die unter 65 Jahre alt sind. Da gibt es Landstriche die weitgehend dechristianisiert sind.
Doch dann gibt es die großen Städte Paris, Marseille, Lyon, in denen die Kirche neuen Tritt gefasst hat: Junge Familien schircken ihre Kinder wieder zur Katechese und gehen am Sonntag in die Kirche, und es gibt reichlich Priesternachwuchs. Wer würde in Deutschland sagen, dass Berlin die frömmste Stadt der Republik ist?
Paris hingegen kann das mit 12,5% Kirchenbesuch, gemessen an der Gesamtbevölkerung, von sich sagen. Eine Karfreitagsprozession auf dem Ku'damm oder Unter den Linden? In Paris geht sie über die Champs Elysée! Die Diözese Paris, die ihre Priester bei freier Unterkunft mit einheitlich vom Vikar bis zum Prälaten mit 1000 Euro im Monat entlohnt und 9% ihres Diözesanhaushalts aus den Einnahmen der Opferlichter bestreitet, leistete sich vor drei Jahren ein neues Bildungs- und Kulturzentrum für 60 Millionen Euro. Es ist übrigens in einem wunderschön restaurierten, ehemaligen Kollegiengebäude der Zisterzienser untergebracht, das beim nächsten Aufenthalt in Paris ihren Besuch verdient.
Zu diesen lebendigen von Selbstbewusstsein und Dynamik strotzenden Großstadtdiözesen kommt in Frankreich noch die große Zahl von neuen Gemeinschaften hinzu, die in den letzten 50 Jahren gegründet wurden und die von spiritueller Vielfalt und Lebendigkeit geprägt sind. Es sind die sogenannten nouvelles communautés. In Deuschland kennt man da wohl meist nur die Gemeinschaft von Taizé, hier zu Lande aber gibt es viele andere neue Aufbrüche, die das Leben in spirituellen Gemeinschaften neu erproben und die sich meist auch missionarisch verstehen. Da wimmelt es nur von kleinen Brüdern, und Schwestern, von Gemeinschaften und Fraternitäten. Sie alle geben der französischen Kirche neben den diözesanen Strukturen Farbe und Dynamik. Um hier einen kleinen Überblick zu geben fehlt der Raum, aber wer sich interessiert, kann einmal in Groß St. Martin in Köln vorbeischauen, wohin sich die Petit Frères et Soeurs de Jérusalem vor ungefähr zwei Jahren verzweigt haben.
Frankreichs Kirche gibt ein uneinheitliches Bild ab, aber es wäre sicher falsch zu sagen, dass dies eine Kirche in der Depression oder in der Misere wäre. Nein, sie ist eine Kirche im Umbruch und dabei changierend und voller Überraschungen.
Die Marseillaise wurde von Claude Joseph Rouget de Lisle in der Nacht auf den 26. April 1792 während der Kriegserklärung an Österreich im elsässischen Straßburg verfasst. Sie hatte zunächst den Titel Chant de guerre pour l’armée du Rhin, d. h. „Kriegslied für die Rheinarmee“, und war dem Oberbefehlshaber und Gouverneur von Straßburg, dem im Jahr zuvor zum Marschall von Frankreich ernannten Grafen Luckner, gewidmet.
mp3-Quelle: www.nationalanthems.info
Amtliche Eigenbezeichnung
République française (Französische Republik)
Hauptstadt
Paris
Amtssprache(n)
Französisch
Sonstige offizielle Sprachen
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Sonstige Sprachen
Korsisch, Katalanisch, Baskisch, Bretonisch, Elsässisch
Anteile der Religionen an der Bevölkerung
54% Christen (51% Katholiken, 3% Protestanten), 31% ohne Religion, 9% Muslime, 5% ohne Angabe, 1% Andere (u.a. Juden)
Fläche
674.843 km²
Einwohner
ca. 64 Mio
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