"Football Under Cover" fünf Jahre danach: Frauenfußball in Iran
Im Abseits
Von Susanna Hoke

Früher wurde sie oft für einen Jungen gehalten, ihrer kurzen Haare wegen. Da konnte sie noch ungestört im Park kicken, ganz öffentlich, ohne Schleier. Wenn sie nur ihr Basecap tief in die Stirn zog und den Reißverschluss ihrer Trainingsjacke bis oben hin zu. Wäre sie als Frau erwischt und angezeigt worden, was wäre dann passiert? „Schlimme Dinge“, sagt Niloofar nur und rührt weiter in ihrem Tee, an diesem sonnigen Vormittag in einem Kreuzberger Café. Ein scheues Lächeln huscht über ihr Gesicht, die junge Iranerin kennt diese Fragen und beantwortet sie lieber so knapp wie möglich.
Niloofars Geschichte beginnt 2005. Da ist sie 20 Jahre alt, studiert Grafikdesign und spielt Fußball in der iranischen Frauen-Nationalelf, die es da gerade mal ein Jahr gibt. Die jungen Frauen sind trainiert, aber noch nie gegen ein Team aus dem Ausland angetreten. Die deutsche Filmstudentin Marlene Assmann und der iranische Filmemacher Ayat Najafi wollen das ändern und organisieren ein Freundschaftsspiel zwischen dem Kreuzberger Bezirksligaverein BSV AL-Dersimspor und der iranischen Nationalelf. In einem Land, wo das Kopftuch mehr gilt als das Spiel, ist das ein ehrgeiziges Ziel. Und ein hochpolitisches.
Geistlicher Impuls
Auszeit…
Von Karin Uschold-Müller
Fußball spielen ist für die Teilnehmerinnen des Turniers anstrengend und beansprucht alle Kräfte. Das anspruchsvolle Training und die Qualifikationen, um überhaupt bei dieser Weltmeisterschaft teilnehmen zu können, forderte die Spielerinnen im Vorfeld dieser Weltmeisterschaft heraus.
Nach diesem Turnier werden sich alle Beteiligten erst einmal eine kleine oder größere Auszeit vom Fußball gönnen, um wieder aufzutanken.
Auszeiten brauchen wir nicht nur vom Sport, sondern auch in unserem Alltags- und Berufsleben. Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, aus dem Arbeitsalltag auszusteigen?
Kirchen bieten in Wolfsburg Begleitprogramm zur Frauen-Fußballweltmeisterschaft an
Gott und der Fußball-Himmel
Von Thomas Pohlmann, KirchenZeitung im Bistum Hildesheim

„Mögen die Wogen brausen wie gewaltige Wasser, mag tosend ihr Lärm erschallen“: An eine La-Ola-Welle in einem Fußballstadion hat der Prophet Jeremia sicher nicht gedacht bei seinen Worten. Doch Kirche und Fußball haben vieles gemeinsam – während der Frauenfußball-Weltmeisterschaft soll dies am Spielort Wolfsburg erlebbar werden.
Noch vor dem ersten Anstoß zur Frauen-WM in Deutschland, die am 26. Juni beginnt, startet bereits das ökumenische Angebot der Kirchen in Wolfsburg. Bei einer Talkrunde wird unter anderem die ehemalige Nationalspielerin Britta Carlson über das Thema „Fußball und Religion“ sprechen. Gemeinsamkeiten gibt es viele, da sind sich Pastoralreferentin Annette Burchardt vom Bischöflichen Generalvikariat in Hildesheim und Pastor Henning Busse, Referent für Kirche und Sport in der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, einig: „Manche Rituale ähneln sich, Gesang ist wichtig und es geht um grundlegende Gefühle: Begeisterung und Niedergeschlagenheit, Freude und Trauer.“
Eine Ausstellung unter dem Motto „Im Fußballhimmel und auf Erden“ soll diese Gemeinsamkeiten deutlich machen. Zu sehen sind dabei auch Gegenstände, die die deutschen Nationalkickerinnen zur Verfügung gestellt haben, bis hin zu Beispielen der Trauer nach dem Tod von Robert Enke.
Organisiert wird das Angebot in Wolfsburg vom Bistum Hildesheim sowie den evangelischen Landeskirchen Braunschweig und Hannovers. „Wir wollen auf die sportbegeisterten Menschen zugehen und ihnen zeigen, dass sie uns wichtig sind“, so Busse zur Motivation. Das Zugehen ist dabei wörtlich zu nehmen: In der Stadt und rund ums Stadion werden Karten verteilt, auf denen Begriffe aus der Welt des Fußballs mit biblischen Zitaten verknüpft werden – wie die „La Ola“ mit dem Propheten Jeremia – und für das Programm werben.
Doch auch den Fußballteams selbst werden die Kirchen zur Seite stehen, soweit dies gewünscht wird. Gebetsangebote und Gottesdienste sind dabei ebenso möglich wie seelsorgliche Gespräche. „Diesem Wunsch des Deutschen Fußballbundes kommen wir gerne nach“, so Burchardt. Bei der Auswahl werden auch die sprachlichen Kompetenzen bedacht: Neben England, den USA, Norwegen und Schweden spielen auch Brasilien und Mexiko in Wolfsburg – so sind neben Englisch auch Spanisch und Portugiesisch gefragt. Ob und wie dies nachgefragt wird, wissen die Organisatoren nicht: „Wir wollen jedenfalls gute Gastgeber sein und bieten daher unsere Hilfe an.“
Doch sie drücken auch dem eigenen Team die Daumen. Als Gruppensieger der Vorrunde würden die deutschen Frauen dann im Viertelfinale beim vierten und letzten Spiel in Wolfsburg antreten. Für das kirchliche Programm in Wolfsburg ist danach Schluss, für die deutsche Frauennationalmannschaft dürfe die WM dagegen gerne weitergehen.



