E Pluribus Unum

Viele Teilnehmerländer der Frauenfußball-WM sind klassische Einwandererländer, etwa Neuseeland, Australien und Kanada, andere wie Brasilien, Kolumbien und Mexiko sind zumindest stark durch europäische Einwanderung geprägt. Unter diesen sticht jedoch die USA als das Land mit den meisten Herkunftsländern und der vielfältigsten religiösen Situation hervor. Schon durch die Einwanderung, die gerade anfangs stark von der Verfolgung religiöser Minderheiten in Europa befeuert wurde, entstand eine auf dem alten Kontinent unbekannte religiöse Pluralität, die in späteren Jahrhunderten durch nicht-europäische Einwanderung (Buddhismus und Hinduismus durch asiatische Einwanderer, Islam durch Einwanderer aus Nordafrika und dem Nahen Osten) noch erweitert wurde, wenn auch auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Hinzu kommen spezifisch amerikanische Entwicklungen wie die afro-amerikanische Religiosität, Evangelikalismus, Pentekostalismus, „Megachurches“, Adventismus, Zeugen Jehovas, Unitarismus, Christian Science, Mormonentum und viele andere mehr. Die meisten dieser Gruppen sind missionarisch, und dadurch ist das Einwandererland mittlerweile zum Religionsexporteur geworden.

Doch auch in den USA fiel die religiöse Toleranz nicht vom Himmel. In einem über 150 Jahre währenden Prozess mussten die in Europa verfolgten Minderheiten erst lernen, was es heißt, die Mehrheit zu bilden, ohne selbst andere Minderheiten zu verfolgen. Viele der frühen Kolonien, aus denen später die Vereinigten Staaten hervorgingen, waren von einer bestimmten Denomination geprägt, und erst durch die Gesetzgebung, mit der nach dem amerikanischen Bürgerkrieg die rechtliche Gleichstellung der befreiten Sklaven und Sklavinnen hergestellt werden sollte, wurden auch die religiösen Beschränkungen für öffentliche Ämter in einer Reihe von Staaten verfassungswidrig (Amendment XIV zur amerikanischen Verfassung).

Wesentlich zum Verständnis der religiösen Situation in Amerika, in der zwar die katholische Kirche mit rund einem Viertel der Bevölkerung die größte Einzelkirche ist, aber die Katholik/innen nur knapp die Hälfte der Zahl der Protestant/innen erreichen, sind die drei Erweckungsphasen des Evangelikalismus im 18. und 19. Jahrhundert sowie die pfingstlerische Erweckung Anfang des 20. Jahrhunderts. Denn sie sind die Wurzel der Religionsproduktivität in Amerika. Ihr unterscheidendes Charakteristikum besteht in der persönlichen Betroffenheit durch den religiösen Glauben, näherhin den Glauben an die Erlösung von Schuld durch das Kreuzesopfer Christi und der Neugeburt durch die Taufe („wiedergeborene Christen“), die zugleich mit einem geringen Interesse an Ritualen und Liturgie einhergeht. Emotionalität und Spiritualität erscheinen wichtiger als Rationalität. Diese Erweckungen sind nicht auf bestimmte Kirchen beschränkt gewesen, sondern von verschiedenen Denominationen gleichzeitig getragen worden. Sie haben daher den Charakter von Bewegungen, nicht einer neuen Religion oder Konfession und lassen sich über fast alle (christlichen) Konfessionsgrenzen hinweg finden, wenn auch in verschieden starker Ausprägung.

Vielleicht sind die Vereinigten Staaten von Amerika auf diese Weise gerade deshalb zum Religionsexporteur geworden, weil sie das erste Land ohne staatlich geförderte oder bevorzugte Religion waren. Das geschah noch früher als im revolutionären Frankreich, von dem sich die USA in einem ganz wesentlichen Punkt unterscheiden: Die Trennung von Kirche und Staat erfolgte nicht aus antiklerikalen Motiven, sondern wurde nicht zuletzt von den in Europa staatlich verfolgten Religionsgemeinschaften selbst gefordert. Der amerikanische Staat versteht sich daher zwar als religiös neutral, steht Religion aber wohlwollend gegenüber. Entsprechend hoch ist die Bedeutung von Religion im gesellschaftlichen Leben der USA. Keine Politikerin und kein Politiker versäumt im Wahlkampf, auf seine Religiosität einzugehen, religiös grundierte Fragen können – wie etwa in der Frage, ob „Intelligent Design“ gleichberechtigt oder gar bevorzugt unterrichtet werden sollte – zum Thema in der gesellschaftlichen und politischen Debatte werden, und Atheist/innen werden von vielen Amerikaner/innen als Gefährdung ihrer Vorstellung von der amerikanischen Gesellschaft angesehen. Dennoch ist der athistische Bevölkerungsanteil in den letzten 20 Jahren zusammen mit dem des Islams am stärksten gewachsen und hat sich mehr als verdoppelt.

Über all die religiösen Fragen hinweg verbindet aber auch die amerikanische Gesellschaft wie so viele multikulturelle und –religiöse Gesellschaften der Sport. Auch hier fallen die USA mit „Eigengewächsen“ auf: Während Basketball und Eishockey noch halbwegs weltweit verbreitet sind, haben Baseball und American Football nirgendwo sonst einen so hohen Stellenwert – so dass der auf den ersten Blick anmaßend erscheinende Titel „World Series“ für das Finale der Baseballliga bei genauerer Betrachtung nicht gänzlich von der Hand zu weisen ist.
Trotz einer erfolgreichen, mit vielen Stars wie Pelé und Franz Beckenbauer durchsetzten Fußballliga in den 70er und frühen 80er Jahren sowie der Männer-WM 1994 in den USA ist „Soccer“, also dem „normalen“ Fußball, nach wie vor der große Durchbruch verwehrt geblieben. Doch im Kleinen wächst vor allem der Frauenfußball. Axel und Isabelle Spies von der deutschsprachigen katholischen Gemeinde Washington berichten: „In Maryland ist Fußball als Mädchensport sehr populär und wird von fast allen Schulen angeboten. Im Großraum Washington gibt es rd. 50.000 Spielerinnen aller Altersgruppen. Die Spiele werden vom lokalen Fußballverband MSI und der Washington Area Women’s Soccer League (WAWSL) organisiert. Einige Meilen weg von der Kapelle Richtung Norden befindet sich das großzügig angelegte Fußballzentrum des Staates Maryland (SoccerPlex) mit 24 gut gepflegten Außenplätzen und Innenplätzen. Das eindrucksvolle SoccerPlex zählt jedes Jahr gut 600.000 Besucher/innen und 4.500 Spieler/innen. Dort spielt der Lokalmatador der Frauenfußballmannschaften Washington Freedom in einem eigenen Stadion mit bis zu 5.000 Plätzen. Dieses Team hat 2003 den US-Meisterschaftspokal (Founder’s Cup) gewonnen und 2008 das Halbfinale der Meisterschaft erreicht. Im letzten Jahr kam das Team in die Endrunde. Fußballspielerinnen aus Maryland sind selbstredend auch im Nationalteam der USA vertreten, z.B. die Mittelfeldspielerin Joana Lohman aus Silver Spring. Große Vorbilder sind US-Spielerinnen wie Abby Wambach, die für Washington Freedom spielt. Abby erzielte für die Nationalmannschaft ihren vielbejubelten 100. internationalen Treffer beim 1:0-Sieg über Kanada im Juli 2009 auf ihrem Heimplatz in Rochester NY. Sie ist die neunte Spielerin weltweit, die bei internationalen Turnieren mehr als 100 Tore erzielt hat. Keine US-Spielerin hat bei internationalen Spielen eine bessere Torausbeute erzielt.“

Die deutschsprachige katholische Gemeinde Washington steckt mittendrin in diesem Fußballgeschehen: „Auch die Mitglieder der deutschen Gemeinde spielen sehr gern Fußball und treffen sich mindestens einmal im Jahr zu Freundschaftsspielen mit den anderen vor Ort ansässigen deutschen Gemeinden.“ Und eine aktive jugendliche Spielerin der Gemeinde beschreibt ihre Fußballbegeisterung: „Ich finde Mädchen-Fußball toll. Ich arbeite an mir selbst und verbessere meine Technik, aber wenn alle zusammenkommen, formt sich ein Team. Es gibt hier eine Menge Möglichkeiten, Fußball zu spielen – Fußball als Freizeiterholung bis hin zu den starken Teams der Ligen, die für ihre Spiele herumreisen. Fußball ist ein Spiel, das ich aufregend finde, das Spaß macht und Strategie und Mitdenken erfordert.“
Und so ist es nicht erstaunlich, dass der Spruch „E Pluribus Unum“ („Aus Vielem Eins“) nicht nur das Siegel der Vereinigten Staaten, sondern auch das Wappen des portugiesischen Fußballvereins Benfica Lissabon ziert.

Flagge der USA

Hymne der USA

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The Star-Spangled Banner ist seit dem 3. März 1931 die offizielle Nationalhymne der USA. Den Text The Star-Spangled Banner schrieb Francis Scott Key am Morgen des 14. September 1814. Er wollte damit seine Freude über den Sieg Amerikas über die Briten zum Ausdruck bringen. Die Melodie stammt aus einem populären englischen Trinklied um 1800 von John Stafford Smith (To Anacreon in Heaven).

mp3-Quelle: www.nationalanthems.info

Informationen

Amtliche Eigenbezeichnung
United States of America (Vereinigte Staaten von Amerika)

Hauptstadt
Washington, D.C.

Amtssprache(n)
keine offizielle Amtssprache, de facto Englisch

Sonstige offizielle Sprachen
--

Sonstige Sprachen
indigene Sprachen, Spanisch, Deutsch, Französisch, Chinesisch, Koreanisch, Vietnamesisch, Polnisch

Anteile der Religionen an der Bevölkerung
79,5% Christen (52% Protestanten, 24,5% Katholiken, 3% Orthodoxe), 8,8% ohne Angabe, 5,4% ohne Religion, 2% Mormonen, 1,4% Juden, 0,5% Muslime, 2,4% Andere (Buddhisten, Hindus u.a.)

Fläche
9.629.091 km²

Einwohner
ca. 310 Mio