Von Ivan Machuzhak
Heimat war und ist für die meisten Menschen dieser Erdkugel der Ort, wo sie geboren sind und wo sie wohnen oder wohnen bleiben wollen. Im letzten Jahrhundert gewinnt dieser Begriff jedoch emotional an Bedeutung. Menschen verlassen Länder mit politischer Diktatur oder ungerechter Herrschaft und sehen dies als Zeichen des Widerstands oder als einen Weg der eigenen Entwicklung.
In den letzten Jahrhunderten waren es besonders die Ukrainer/innen, die sich mit der Frage nach der Heimat existenziell auseinandersetzen mussten. Nach dem Ende der Habsburger Monarchie zum Ende des Ersten Weltkriegs kam ein großer Teil der Ukraine unter polnische Führung; die Ostteile der heutigen Ukraine wurden in die UdSSR integriert. Die Westukraine blieb bis 1939 unter der katholisch orientierten politischen Führung Polens, während die Ost- und Zentralukraine vom stalinistischen Regime unterdrückt wurde.
Während des Zweiten Weltkriegs wurden viele Ukrainer/innen entweder von den Sowjets in die Armee gegen das Nazi-Regime gezwungen oder zur Zwangsarbeit oder in Gefangenschaft nach Westeuropa verschleppt. So hielten sich zum Ende des Zweiten Weltkriegs über 7 Mio. Ukrainer/innen in Westeuropa auf. Die größte Zahl lebte in Deutschland. Die meisten wanderten später in die USA oder nach Kanada aus. Nach Norwegen gelangten die Ukrainer/innen vor allem durch Kriegsgefangenschaft oder infolge innereuropäischer Wanderung. Zahlenmäßig war die ukrainische Gruppe nicht sehr groß, doch politisch im Kampf gegen den Kommunismus waren diese Menschen sehr aktiv und auch gesellschaftlich präsent.
Heute ist die ukrainische Gemeinde in Norwegen maßgeblich durch die neue Auswanderungswelle in den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts geprägt. Studentinnen und Studenten und hochqualifizierte Arbeitskräfte gehören zum Kern der Gemeinde. Glaubensmäßig gibt es zwei Gruppen von Ukrainer/innen: Aus dem Westen der Ukraine kommen diejenigen, die mit dem Glauben in Berührung gekommen sind; die größere Gruppe aus dem Osten der Ukraine hingegen hat keine Erfahrung im kirchlichen Leben, da dort die Kirche durch den Kommunismus fast vernichtet wurde und im Leben des durchschnittlichen Menschen kaum eine Rolle spielt. Aufgrund dieser Gegebenheiten ist das Gemeindeleben der Ukrainer/innen in Oslo sehr intensiv.
Das jetzige Leben der Gemeinde ist durch die regelmäßige Feier des Gottesdienstes, der Liturgie in ukrainischer Sprache nach ukrainisch-byzantinischem Ritus, jeweils am 1. Sonntag im Monat geprägt. An den anderen Sonntagen versammelt sich ein Teil der Gemeinde zu einem Bibellesekreis, der nach dem Besuch einer orthodoxen Liturgie oder einer polnischen oder norwegischen Messe stattfindet. Die Mütter der Vorschulkinder haben sich zu einem Schulverein organisiert, der sich am Samstag oder Sonntag trifft, um den Kindern die ukrainische Sprache und Tradition zu vermitteln. Auch eine Katechese-Stunde, eine Einübung in den Glauben, wird von Gemeindemitgliedern gehalten. Diese Glaubensschule soll jedoch nicht nur Wissen vermitteln. Sie stiftet vor allem Gemeinschaft, da sie die Kinder untereinander verbindet, Familien zu Freundeskreisen zusammenschließt und in manchen Fällen überhaupt erst einen ersten Kontakt mit der Kirche ermöglicht.
Großes Interesse und rege Beteiligung finden die Wallfahrten zu Pater Robert Anderson, einem Einsiedler in Telemark. Diese Wallfahrten leisten einen großen Beitrag zum geistlichen Zusammenwachsen der Gemeinde. Die Gestalt dieses Mönchs, der seine geistliche Heimat in der byzantinischen Tradition gefunden hat und nach der strengen Regel der Trappisten lebt, übt auf junge Menschen eine ungeheure Anziehungskraft aus und weckt ihr Interesse am Glauben und an der christlichen Lebensführung. Pater Robert hat in den Zeiten des Kalten Krieges die Ukrainer/innen in Oslo hin und wieder zu einem Gottesdienst versammelt. Nun ist er für die junge Gemeinde der einzige Zeuge dieser Zeit und das Verbindungsglied zwischen der alten und der neuen Emigrationsgeneration.
Die Zahl der Gottesdienstbesucher/innen hat sich seit dem Anfang im Januar 2010 bis Ostern 2011 verdreifacht. Die Generation der Ukrainer/innen, die die Ukraine nicht mehr während der Sowjetzeit erlebt hat, kann sich sehr schnell in einer Gesellschaft organisieren und in ihr ihren kulturellen, aber auch politischen Beitrag leisten. Es ist nur nötig, ihr die entsprechende Basis zu geben, auf der alles andere gebaut werden kann.
Ich hoffe, dass wir zusammen mit der Kirche in Norwegen weiterhin diese Basis für die ukrainische Gemeinde in Oslo bilden können. Wo der Mensch hört, da spricht Gott – wo der Mensch gehorcht, da handelt Gott. Möge unser Hören und Gehorchen dieses Handeln Gottes an den Menschen möglich machen – das ist unsere Gabe und Aufgabe.
Ivan Machuzhak lebt in München und ist Kanzler der ukrainischen Exarchie in Deutschland. Er ist nach der ostkirchlichen Tradition ein verheirateter Priester und betreut die ukrainische Gemeinde in Norwegen, die ihr Zentrum in Oslo hat.
Ja, vi elsker dette landet (Ja, wir lieben dieses Land), ist der Titel der norwegischen Nationalhymne. Der Text wurde zwischen 1859 (erste Fassung) und 1868 vom späteren Literatur-Nobelpreisträger Bjørnstjerne Bjørnson in Riksmål, einer Sprachform der norwegischen Sprache verfasst. Die Melodie stammt von seinem Vetter Rikard Nordraak. Zum ersten Mal öffentlich gesungen wurde die Hymne am 17. Mai 1864 in Eidsvoll anlässlich der Feiern zum fünfzigsten Jahrestag der norwegischen Verfassung. Zuvor galt das patriotische Lied Sønner av Norge als Nationalhymne Norwegens.
mp3-Quelle: www.nationalanthems.info
Amtliche Eigenbezeichnung
Kongeriket Norge (bokmål), Kongeriket Noreg (nynorsk) (dt. Königreich Norwegen)
Hauptstadt
Oslo
Amtssprache(n)
Norwegisch
Sonstige offizielle Sprachen
regionale Amtssprachen: Samisch, Finnisch
Sonstige Sprachen
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Anteile der Religionen an der Bevölkerung
86,8% Christen (82% Lutheraner, 3,7% andere Protestanten, 1,1% Katholiken), 1,6% Muslime, 11,6% ohne Angabe oder andere Religionen (Juden, Buddhisten u.a.)
Fläche
385.199 km²
Einwohner
ca. 4,7 Mio
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