Eine Kirche in vielen Sprachen, Völkern und Riten

Von Msgr. Wolfgang Miehle, Nationaldirektor für die Ausländerseelsorge bei der Deutschen Bischofskonferenz

 

Organisationsstruktur der Katholischen Kirche in Deutschland
Die Geschichte der Kirche in Deutschland reicht bis in die römische Antike zurück. Gegen Ende des 4. Jahrhunderts entstand eine erste kirchliche Verwaltung, und es bildeten sich einige der heute ältesten deutschen Bistümer, z.B. Trier, Augsburg, Köln und Mainz.

Heute bilden die 27 deutschen Diözesen – eine 28. stellt die Militärseelsorge dar – die kirchliche Heimat von ca. 25 Millionen Katholikinnen und Katholiken in ca. 12.000 Pfarreien bzw. Seelsorgestellen. Das katholische Deutschland teilt sich auf in sieben Kirchenprovinzen:

  • Bamberg (mit Eichstätt, Speyer und Würzburg)
  • Berlin (mit Dresden-Meißen und Görlitz)
  • Freiburg (mit Mainz und Rottenburg-Stuttgart)
  • Hamburg (mit Hildesheim und Osnabrück)
  • Köln (mit Aachen, Essen, Limburg, Münster und Trier)
  • München und Freising (mit Augsburg, Passau und Regensburg)
  • Paderborn (mit Erfurt, Fulda und Magdeburg).

Der Norden und Osten Deutschlands kann als Diaspora („Zerstreuung“) bezeichnet werden, da sich die Katholik/innen hier in der Minderheit befinden. In den Diözesen Dresden-Meißen, Berlin und Görlitz beispielsweise haben die Katholik/innen lediglich einen Anteil zwischen 2 und 5% an der Bevölkerung. Im Süden und Westen hingegen stellen die Katholik/innen die Mehrheit der Bevölkerung, im Saarland und Teilen Bayerns 60–80%.

Ausgangspunkt, Zahlen, Fakten
Die Religionszugehörigkeit in Deutschland zeigt ein vielgestaltiges Bild. Von den 82 Mio. Einwohnern Deutschlands gehören 24,9 Mio. (= 30,37%) der katholischen Kirche, rund 24,5 Mio. (= 29,88%) den protestantischen Kirchen und ca. 1,4 Mio. (= 1,70%) den orthodoxen Kirchen an; etwa 4,2 Mio. (= 5,13%) sind Muslime bzw. Muslima. Rund 27,0 Mio. (= 32,93%) gehören anderen Religionen an oder sind konfessionslos.

In Deutschland leben zurzeit 6.7 Mio. Menschen mit ausländischem Pass; davon sind rund 3,1 Mio. Christ/innen und 3,1 Mio. Muslime bzw. Muslima.

Die Christen setzen sich zusammen aus

  • ca. 1,9 Mio. Katholik/innen,
  • ca. 1 Mio. Orthodoxen und
  • ca. 0,2 Mio. Evangelischen und Angehörigen von Freikirchen.

Viele Ausländer und ihre Kinder besitzen inzwischen die deutsche Staatsangehörigkeit (Menschen mit Zuwanderungsgeschichte). Legt man die im letzten Mikrozensus ermittelte Gesamtzahl von 16 Mio. zugrunde, dann hat jede/r 5. Katholik/in in Deutschland seine Wurzeln in einer Zuwandererfamilie.

 

Hinzu kommen noch rund 170.000 Katholik/innen ohne gültige Aufenthaltspapiere („Illegale“). Auch sie haben ein Recht auf pastorale und humanitäre Begleitung.

 

Engagement der katholischen Kirche
Die Katholische Kirche in Deutschland sieht sich in der Begleitung der Menschen mit Zuwanderungsgeschichte einem dienend-anwaltlichen und einem missionarisch-pastoralen Auftrag verpflichtet. Er richtet sich an alle Zuwanderer ohne Unterscheidung nach Religions- oder Konfessionszugehörigkeit.

Die Katholikinnen und Katholiken anderer Muttersprache sind aufgrund von Taufe und Firmung keine Gäste, sondern gleich-berechtigte Mitglieder der deutschen Pfarrgemeinden. Um ihnen

  • die Möglichkeit zur Pflege der eigenen religiösen Traditionen und zugleich
  • die Beheimatung unter dem Dach der deutschen Ortkirche zu erleichtern,

haben die deutschen Diözesen

  • ca. 400 muttersprachliche Gemeinden (mit jeweils 34 Gottesdienstorten) für
  • ca. 30 Volks- bzw. Sprachgruppen

eingerichtet. Sie haben „Brückenfunktion“ zu den Ortsgemeinden.

 

Vielfalt der Riten
In der weltweiten Katholischen Kirche gibt es insgesamt 25 verschiedene Riten, von denen der römisch-katholische Ritus („Lateiner“) der zahlenmäßig bedeutendste ist.

Von den 24 anderen Riten, die alle den Papst als ihr Oberhaupt anerkennen, sind in Deutschland durch eigene Gemeinden und Priester vertreten:

Katholische Zuwanderer aus außereuropäischen Ländern
In den letzten Jahren hat die Zahl der Katholikinnen und Katholiken aus Afrika, Asien und Lateinamerika sprunghaft zugenommen. Viele finden – je nach Herkunft – in den englisch-, französisch-, portugiesisch- oder spanischsprachigen Gemeinden sowie bei Missionsordensgemeinschaften oder Hochschulgemeinden in Deutschland Anschluss. Außerdem gibt es noch 18 Gemeinden für einzelne afrikanische Volksgruppen.

  • Bei den Zuwanderern aus außereuropäischen Ländern ist insbesondere eine gewachsene Solidarität untereinander, aber auch zu den in der Heimat Verbliebenen spürbar.
  • Freilich werden bisweilen auch Konflikte zwischen Völkern und Stämmen der Herkunftsländer mit nach Deutschland gebracht und kommen hier zum Vorschein.
  • Die Familie/Großfamilie spielt eine prägende und beschützende Rolle (es gibt kein Wort für Altersheim!).
  • Viele wurden in ihrer Heimat direkt oder indirekt um des Glaubens willen verfolgt und haben im Glauben Kraft gefunden.
  • Der christliche Glaube ist umfassendes und tragendes Element für die konkrete Lebensgestaltung.
  • Bei ihren Gottesdiensten spielen Tanz, Rhythmus, Musik, Lichtriten und anschließendes gemeinsames Essen (Kochen) eine große Rolle.

Weiterentwicklungsmodelle für muttersprachliche Gemeinden
Um ein Nebeneinander von deutschsprachigen und muttersprachlichen Gemeinden zu verhindern, wurden von der Deutschen Bischofskonferenz mehrere Modelle entwickelt, die Impulse zur gegenseitigen Kooperation (Gemeindeleitung, Pastoralräte, Belegung der Gemeinderäume, gemeinsame Gottesdienste und Feiern) geben sollen.

Muss eine zahlenmäßig kleine muttersprachliche Gemeinde aufgelöst werden, trägt der deutsche Ortspfarrer die Verantwortung, dass eine kleine muttersprachliche Gemeinschaft erhalten bleibt und die Gottesdienste in Teilen (Gebete, Lieder, Fürbitten, Lesung, Evangelium) auch zweisprachig gefeiert werden.

Im Blick auf die Hinführung der Kinder und Jugendlichen (3. Zuwanderergeneration) zu Beichte, Kommunion und Firmung wird derzeit eine Konzeption gemeinsam verantworteter Sakramentenkatechese („interkulturelle Katechese“) erprobt.

Neue Herausforderungen einer umfassenden Partizipation
Eine umfassende Partizipation der Zuwanderer ist noch lange nicht erreicht. Wichtige Schritte sind noch zu tun:

  • Perspektivwechsel von der Abwehrhaltung zur Wertschätzung der vielfältigen Chancen sozialer, geistiger, religiöser und kultureller Begegnungen,
  • Überwindung der Chancenungleichheit von Migrantinnen und Migranten in Schule, Beruf und Gesellschaft,
  • bewusster Einsatz und Förderung der bilingualen und bikulturellen Kompetenzen von Menschen mit Migrationshintergrund im Integrations- und Partizipationsprozess,
  • das durch den weltweiten Globalisierungsprozess veränderte Migrationsgeschehen und die dadurch vielgestaltiger gewordene Sozialstruktur der Migranten in Gesellschaft und Kirche wahrnehmen und entsprechend („interkulturelle Kooperation“ – „interkulturelle Pastoral“) integrieren.

Flagge von Deutschland

Deutsche Hymne

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Die deutsche Nationalhymne besteht seit 1991 ausschließlich aus der dritten Strophe des Deutschlandliedes von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben. Die Melodie stammt aus der früheren Kaiserhymne „Gott erhalte Franz, den Kaiser“ von Joseph Haydn, 1841.

mp3-Quelle: www.nationalanthems.info

Informationen

Amtliche Eigenbezeichnung

Bundesrepublik Deutschland

Hauptstadt
Berlin

Amtssprache(n)
Deutsch

Sonstige offizielle Sprachen
anerkannte Minderheitensprachen: Dänisch, Friesisch, Sorbisch, Romani

Sonstige Sprachen
Türkisch, Russisch, Polnisch

Anteile der Religionen an der Bevölkerung
62% Christen (30,4% Katholiken, 29,9% Protestanten, 1,7% Orthodoxe), 28,2% konfessionslos, 5,1% Muslime, 4,7% Andere (u.a. Buddhisten, Juden, Zeugen Jehovas, Hindus)

Fläche
357.112 km²

Einwohner
ca. 82 Mio