Äquatorialguinea ist ein Land der doppelten Extreme. Das gilt schon für die Geographie: Aus den meist willkürlichen Kolonialgrenzen ist mit der Unabhängigkeit von Spanien im Jahr 1968 ein Staat entstanden, der aus zwei weit von einander entfernten Inseln sowie dem seinerseits von beiden Inseln weit entfernten, an Kamerun und Gabun angrenzenden Festlandteil besteht.
Die Hauptinsel Bioko mit der Hauptstadt Malabo liegt nur 40 km vor der Küste Kameruns, aber 250 km nordnordöstlich von Mbini, wie der frühe Río Muni genannte Festlandteil Äquatorialguineas heute heißt. Die zweite größere Insel Annobón hingegen liegt rund 500 km südöstlich von Mbini mitten im Atlantik. Annobón ist der einzige Teil Äquatorialguineas, der südlich des Äquators liegt, denn die zwischen Bioko und Annobón liegenden Inseln bilden den selbständigen Staat São Tomé und Príncipe. Daher ist das Land, obwohl sowohl Nord-Süd- als auch Ost-West-Ausdehnung um die 600 km betragen, in der Fläche kaum größer als das deutsche Bundesland Brandenburg.
Ebenso weist die Bevölkerungsverteilung Extreme auf: Auf den beiden Inseln ist die Bevölkerungsdichte mit Ausnahme des südlichen Biokos deutlich höher als in Deutschland, in einigen Regionen des Festlandes leben hingegen kaum 20 Menschen auf einem Quadratkilometer. Allerdings sind alle Werte, die sich auf die Bevölkerung beziehen, mit Vorsicht zu genießen, da die Einwohnerzahl des Landes unsicher ist. Die Angaben schwanken zwischen 500.000 und 1,2 Millionen.
Da Äquatorialguinea auch religiös alles andere als durchschnittlich ist, stimmen die Schätzungen der Religionszugehörigkeit aber in etwa überein: Neben 5% Anhänger/innen von Naturreligionen und etwa ebenso vielen Protestant/innen sind knapp 90% der Äquatorialguineer/innen katholisch. In dieser Hinsicht kann sich das Land also mit Italien, Irland und Polen vergleichen. Anders als diese Länder kann Äquatorialguinea aber nicht auf eine lange christliche Geschichte zurückblicken. Erst im 19. Jahrhundert begann eine systematische Mission durch Jesuiten und spanische Clarentiner. Eigenständige Bistümer gibt es erst seit 1966 in Malabo (Erzbistum 1982) und Bata. Das Bistum Ebebiyín im äußersten Nordosten des Landes wurde erst 1982 gegründet. Dazwischen lag die Zeit der Diktatur Macias Nguema (1968–1979), in der nicht nur Missionarinnen und Missionare ausgewiesen und kirchliche Gebäude enteignet wurden, sondern auch Taufen und Gottesdienste verboten waren. Praktizierende Christinnen und Christen wurden verfolgt, gefoltert und ermordet. Es gab mindestens zwei öffentliche Kreuzigungen.
Obgleich heute wieder Religionsfreiheit herrscht und der Staat in der Privilegierung der katholischen und reformierten Kirche aufgrund ihrer gesellschaftlichen Bedeutung – die meisten Schulen werden von kirchlichen Institutionen getragen – sein positives Verhältnis zum Christentum zum Ausdruck gebracht hat, ist Äquatorialguinea noch immer weit von demokratischen Zuständen entfernt. Zwar ist das Land als drittgrößter afrikanischer Ölexporteur – die Ölförderung trägt rund 90% zur Wirtschaftsleistung bei – eines der reichsten Länder Afrikas südlich der Sahara. Äqautorialguinea kann seit Jahren einen Haushaltsüberschuss ausweisen, Auslandsschulden abbauen und ist von Entwicklungshilfe weitgehend unabhängig. Es gibt kaum Arbeitslose, dafür illegale Einwanderung aus den Nachbarstaaten. Die Analphabetenrate liegt bei für Afrika hervorragenden 13% der Erwachsenen, die Regierung entwickelt mit viel Geld das Gesundheitswesen und die Infrastruktur.
Zugleich handelt es sich aber um eines der korruptesten Länder der Welt, so dass es ein sehr großes Einkommensungleichgewicht gibt. Während Präsident Teodoro Obiang zu den reichsten Herrschern Afrikas zählt, muss die Mehrheit der Bevölkerung mit weniger als 2 Dollar am Tag auskommen. Nach wie vor wird gefoltert, die Todesstrafe wird angewandt, und selbst die Hochseefischerei ist in dem auf Nahrungsimporte angewiesenen Land verboten, weil bisher alle Putschversuche von See aus gestartet wurden. Viele Landesteile sind noch unerschlossen. Es gibt keine Post, keine Landkarten und keine Straßennamen. Kanalisation, Klärwerke und Müllentsorgung sind mangelhaft.
Im Fußball konnte der Co-Gastgeber der Afrikameisterschaft 2012 bereits markante Spuren hinterlassen: Die Frauennationalmannschaft löste 2008 beim Turnier im eigenen Land die Nigerianerinnen erstmals als Afrikameister ab und kommt als Vizeafrikameister von 2010 nach Deutschland.
mp3-Quelle: www.nationalanthems.info
Amtliche Eigenbezeichnung
República de Guinea Ecuatorial (span.), République de Guinée équatoriale (franz.) (Republik Äquatorialguinea)
Hauptstadt
Malabo
Amtssprache(n)
Spanisch, Französisch
Sonstige offizielle Sprachen
anerkannte Nationalsprachen: Fang, Bube und Ambo
Sonstige Sprachen
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Anteile der Religionen an der Bevölkerung
93% Christen (88% Katholiken, 5% Protestanten), 5% Naturreligionen, 2% Andere (Moslems, Bahai, Zeugen Jehovas u.a.)
Fläche
28.051 km²
Einwohner
ca. 0,65–1,2 Mio
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