"Wir schaffen es ins Finale"

U20-Kapitänin Marina Hegering über Mädchenträume und harte Gegner bei der WM

© FCR Duisburg

17 U20-Spiele, zwei Tore, Sternzeichen Widder: Dessen typische Lebensdevise heißt "Ich will kämpfen". Marina Hegering gehört als Kapitänin der U20-Frauen-Nationalmannschaft zu den hoffnungsvollsten Nachwuchsspielerinnen in Deutschland. Zusammen mit ihrer Freundin Alexandra Popp holte sie 2010 den Pokal der FIFA-U20-Frauenweltmeisterschaft. Im Gespräch mit katholisch.de spricht sie über ihre früheren Mädchenträume und die aktuelle WM.

katholisch.de: Sie haben mit Ihrer U20-Nationamannschaft der Frauen den WM-Titel bereits 2010 geholt, nun kämpft die Damen-Mannschaft um den Pokal. Worauf können wir uns in Deutschland in den nächsten Wochen freuen?

Hegering: Ich denke, es wird ein großes Fußballfest oder eher ein großes Familienfest, weil viele Kinder mit ihren Eltern ins Stadion gehen. Das habe ich schon beim Eröffnungspiel der deutschen Mannschaft in Berlin beobachtet. Und am Ende des Turniers hoffe ich, dass wir den Pokal holen.

katholisch.de: Glauben Sie an den Fußballgott?

Hegering: (lacht) Nein, an den glaube ich nicht. Aber bei der U20-WM hatten viele aus meiner Mannschaft Rituale, da kam dann der Aberglaube durch. Einige haben zum Beispiel vor dem Spiel immer das gleiche gegessen oder ich habe mir die Haare immer gleich gestylt. Man glaubt daran, obwohl das eigentlich Unsinn ist.

katholisch.de: Wie schätzen Sie die Chancen unserer Frauen-Mannschaft ein?

Hegering: Die Chancen können gar nicht besser sein. Eigentlich müssten wir Weltmeisterinnen werden, aber im Sport ist es nun mal so, dass nicht immer alles rund läuft. Wenn ein schlechter Tag dazwischen kommt, kann man ein Spiel auch mal überraschend verlieren. Aber solange die Spielerinnen gesund bleiben und ihre Leistung auf den Punkt abruft, dann zweifle ich nicht, dass wir es bis ins Finale schaffen.

katholisch.de: Welche der gegnerischen Mannschaften werden schwer zu kontrollieren sein?

Hegering: Die starken Mannschaften sind klar die USA, Brasilien und die asiatischen Teams mit Japan und Nord-Korea. Aber auch eher unbekannte wie zum Beispiel Äquatorialguinea sind gefährlich. Sie haben immer einen Überraschungseffekt parat, den man als Europäer nicht kennt. Da muss man besonders aufpassen.

katholisch.de: Die Frauenmannschaft ist in der Werbung präsent, es gibt zahlreiche Merchandising-Produkte zu kaufen. Haben Sie Angst, dass der Ballzauber auf dem Platz dadurch in den Hintergrund rückt?

Hegering: Ich finde das gerade gut, dass die Frauen nun präsenter mit ihrem Fußball sind. So bekommen die Nationalspielerinnen ein Gesicht. Und die Werbung macht sie noch bekannter. Klar steht dabei immer eher das Produkt im Vordergrund. Aber vielleicht werden die Spielerinnen über die Werbung auch mit dem Frauenfußball in Verbindung gebracht. Das finde ich nicht schlecht.

katholisch.de: Was für ein Typ Frau spielt eigentlich Fußball? Sind das eher knallharte Jungsmädchen oder Mädchen, die sich vor den nächstbesten Spiegel drängen?

Hegering: Letztere sind in den vergangenen Jahren mehr geworden. Das Bild von den Mannweibern gab es vielleicht früher, aber das hat sich heute gewandelt. Es gibt viele, die auf ihr Äußeres achten, bevor sie auf den Platz laufen. Ich finde, dass sieht man auch. Es ist ja schließlich keine hässliche Mannschaft, die derzeit für uns auf dem Rasen spielt.

katholisch.de: Wie ist das bei Ihnen? Achten sie darauf, wie sie auf den Platz laufen?

Hegering: Ich habe lange Haare und die stören mich beim Spiel, wenn sie mir vor den Augen herum flattern. Darum trage ich meistens einen Zopf. Dadurch sieht die Frisur zwar etwas strenger aus, aber das interessiert mich dann nicht. 

katholisch.de: Sie trainieren viel. Bleibt einem da noch Freizeit?

Hegering: Tagsüber studiere ich in Köln an der Sporthochschule auf Diplom-Sportlehrerin, weil ich später gern im Reha-Bereich arbeiten möchte. Abends habe ich dann täglich mehrere Stunden Training. Da ist die Freizeit knapp bemessen, um Freunde und Familie unterbringen zu können. Es erfordert eine gute Planung. Verzichten muss ich aber auf nichts. Ich habe mich für diesen Weg entschieden, und wenn alle voll dahinter stehen, dann funktioniert es auch.

katholisch.de: Seit wann wollten Sie Fußballerin werden?

Hegering: Als kleines Kind hat man immer Wunschvorstellungen. Früher habe ich in die Freundschaftsalben unter Berufswunsch „Fußballnationalspielerin“ geschrieben. Dass der mal Wirklichkeit wird, hätte ich nie gedacht. Mit vier bin ich als Bambini gestartet, dann kamen die Kreisauswahl, die Niederrheinauswahl und dann später die U-Nationalmannschaft. Die Krönung war dann die U20-WM 2010.

katholisch.de: Gab es auch einen Plan B, wenn es verletzungsbedingt nicht weitergangen wäre?

Hegering: Ich bin zurzeit verletzt, habe zwei Fuß-Operationen hinter mir. Aber einen wirklichen Plan B gibt es nicht. Es ist ja nicht so, als wenn ich nichts mache. Nebenher läuft mein Studium und ich sehe nun zu, dass ich schnell wieder auf den Platz kann.

katholisch.de: Ihr erster Verein war der DJK SV Lowick 1930, ein katholischer Bundesverband. Was haben Sie aus dieser Zeit mitgenommen?

Hegering: Das Mannschaftsgefühl. Ich war damals mit neun Jungs in einer Mannschaft und bin mit denen durch die Jugend gegangen. Von ihnen habe ich Zweikampfstärke gelernt. Denn die gehen anders in die Kämpfe als Mädchen. Da gab es auch mal einen Tritt gegen das Schienenbein - damit muss man leben.

katholisch.de: Was würden sie jungen Mädchen empfehlen, die durch die Frauen-WM ganz begeistert sind und nun auch Fußball spielen wollen?

Hegering: Ich empfehle ihnen in einen Verein einzutreten, mit Spaß am Spiel zu trainieren und das auch am besten mit Jungs. Das fordert sie heraus. Und wenn die Freundinnen mit im Team sind, macht es noch mehr Spaß.

Das Interview führte Saskia Gamradt für katholisch.de

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Quelle: www.kirche.tv

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