Ragnhild auf dem Rasen

Von Elisabeth Kvist
 

Ragnhild ist 14 Jahre alt, sie und ihre Familie sind aktive Katholiken in der St. Eugenia-Gemeinde in Stockholm. Sie wohnen in Enskede, einem der südlichen Vororte von Stockholm. Als Ragnhild neun Jahre alt war, fing sie an, im nahe gelegenen Bagarmossens bollklubb (BBK, Ballklub von Bagarmossen) Fußball zu trainieren. „Ich hatte lange vor anzufangen, weil ich von älteren Mädchen hörte, dass sie Fußball spielten“, sagt Ragnhild und fährt fort: „Es kam ein neues Mädchen in meine Klasse, das trainierte beim BBK. Da bin ich mit ihr zum Training gegangen.“

Ragnhild ist mit einem begeisterten Fußball-Fan als Vater aufgewachsen, der den FC Bayern München zu seinen Lieblingsmannschaften zählt. Auch der jüngere Bruder Walter ist begeistert von Fußball, und die Geschwister haben oft in den Pausen auf dem Schulhof mit ihren Klassenkamerad/innen Fußball gespielt, sogar im Winter, wenn alles mit Schnee bedeckt ist. Als Ragnhild im BBK anfing, bestand die Mannschaft aus 12-15 Mädchen. Die meisten waren im Jahr 1996 geboren, nur Ragnhild und ein paar andere waren „97er“. Bei Spielen waren sieben Mädchen auf dem Spielfeld, die anderen waren Ersatztruppe. „Am liebsten habe ich im defensiven Mittelfeld gespielt, aber ich habe oft auf der Bank gesessen. Das kann langweilig sein, zum Spiel zu kommen und nicht viel spielen zu dürfen“, meint Ragnhild. „Beim Training weiß man, dass man auf den Platz darf, in gewisser Hinsicht ist es cooler als ein Spiel.“

Als Trainer hatte die Mannschaft meistens Eltern, die etwas vom Fußball verstanden. Erst waren es zwei Väter. Die waren aber nicht sehr konstruktiv und klagten viel über die Mädchen, wenn es nicht so klappte. Das wurde besser, als eine Mutter es übernahm, sie selbst war Fußballspielerin von Rang. „Sie hat die Mannschaft ermuntert und meinte, dass es am wichtigsten ist, wenn wir Spaß bei Spielen haben“, sagt Ragnhild. Und Spaß hatten sie! Außerdem haben sie ziemlich oft ihre Spiele gewonnen. Das wichtigste Turnier in Stockholm ist der St. Eriks Cup, genannt nach dem Schutzpatron der Stadt, dem mittelalterlichen König und Heiligen Sankt Erik. Hunderte von Jugendmannschaften aus ganz Groß-Stockholm melden sich jedes Jahr zum Cup an, der in der Umgangssprache „Sanktan“ genannt wird. Mädchen kämpfen gegen andere Mädchen und Jungen gegen Jungen. Nur bei einigen Trainingsspielen hat die Mannschaft von Ragnhild gegen Jungen gespielt, und das waren gleichaltrige Jungen desselben Klubs, BBK. In der Schule dagegen waren die Mannschaften immer gemischt, sowohl beim improvisierten Spiel der Pausen wie auch beim organisierten Wettbewerb um die Schulmeisterschaft. Meistens ging es gut, auch wenn Probleme auftauchen konnten: „Die Jungen spielen meistens anderen Jungen zu, mit denen sie im selben Klub trainieren“, sagt Ragnhild. Sie meint auch, dass Jungen einem größeren Leistungsdruck ausgesetzt sind, sowohl früher mit dem Spielen anzufangen als auch bessere Fortschritte beim Training zu machen. „Wenn wir miteinander spielen, muss man die Jungs daran erinnern, dass wir Mädchen auch dabei sind.“

Mit wachsendem Alter steigen auch die Leistungserwartungen an die Mädchen. Andere Klubs in Stockholm haben mehrere Trainingszeiten pro Woche eingeführt, oder auch neue Mannschaften mit nur den Ehrgeizigsten und Besten gebildet. Aber BBK, der bloß ein kleiner Klub war und inzwischen auch mit einem anderen Klub zusammengelegt wurde, hat sich nicht für diese Elitebildung entschieden, und das gefällt Ragnhild: „Es ist schade, dass man mit 13–14 Jahren mit dem Fußball praktisch aufhören muss, weil kaum ein Team zu finden ist, wo nur zweimal die Woche trainiert wird. Das wäre optimal, aber ich habe viele andere Interessen, unter anderem spiele ich Geige und Badminton. Und am Sonntag gehe ich in die Kirche.“

Ragnhild hat nie ihren christlichen Glauben und ihre katholische Zugehörigkeit verheimlicht, weder in der Schule noch in der Fußballmannschaft. Trotzdem wurde sie nie gehänselt: „Manchmal ist ein Spiel mit einer Messe kollidiert, aber niemand sagte etwas. Vielleicht hing es damit zusammen, dass es fast immer Moslems in der Mannschaft gab.“ Die verschiedenen Religionen und kirchlichen Gemeinschaften der Einwanderer haben paradoxerweise bewirkt, dass es heute für Gläubige im säkularisierten Schweden leichter ist, verglichen mit der Situation vor 30 oder 40 Jahren, als die lutherische Schwedische Kirche als Staatskirche stärker die Öffentlichkeit prägte. Die Mutter von Ragnhild wurde bisweilen mit Verachtung behandelt, weil sie an Gott glaubt. Ihre beiden Kinder dagegen werden respektiert von ihren Kamerad/innen, die auf eine andere Weise glauben. Und Fußball spielen kann Gemeinschaft über religiöse und kulturelle Grenzen hinweg bilden. In der ersten Liga Schwedens, „Allsvenskan“, spielt in dieser Saison zum ersten Mal der Syrianska FC, eine Mannschaft gegründet von christlichen syrischen Einwanderern.

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Quelle: www.kirche.tv

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