Frauen – Fußball –Film: Das passt!

Das Runde muss in das Eckige

Von Felicitas Kleiner

Unter einer „Ballkönigin“ versteht man das schönste Mädchen auf einer Tanzveranstaltung!? Mittlerweile kann dieser Ehrentitel statt Abendrobe, Pumps und Walzer längst auch Schweiß, kurze Hosen und Blutgrätsche bedeuten: Die Ballkönigin, das ist heute auch die beste Kickerin auf dem Fußballplatz. Rollenbilder sind in Bewegung geraten. Das zeigt der Sport, in dem die Unterscheidung zwischen „für Jungs“ und „für Mädchen“ immer mehr verschwimmt. Und das zeigen Filme über Sport: Sie nutzen ihr Thema, sei es Boxen, Baseball, Fußball oder eine andere Sportart, um nicht nur genüsslich die Dramatik von Wettkämpfen und den Rausch der körperlichen Bewegung zu feiern, sondern um auch das ins Visier zu nehmen, was die Gesellschaft im übertragenen Sinne bewegt.

Ein Paradebeispiel dafür ist „Kick it Like Beckham“ (2002) von Gurinder Chadha. Darin geht es um eine junge, in Großbritannien lebende Frau indischer Abstammung, deren Familie mit der Fußball-Begeisterung der Tochter gar nicht einverstanden ist. Mit diesem Hobby rebelliert die agile Jess (Parminder Nagra) nicht nur gegen ein konservatives Frauenbild, sondern sie überschreitet auch kulturelle und soziale Grenzen. Der Frauenfußball wird zum bunten Stoff, aus dem die Träume einer modernen, multikulturellen Gesellschaft sind: Weder geschlechtliche noch ethnische noch soziale Merkmale sollen einen Menschen davon abhalten, sich selbst zu verwirklichen und mit seinen Talenten und  Neigungen anerkannt zu werden. In Deutschland hat Buket Alakus das Thema aufgegriffen und mit „Eine andere Liga“ (2004) einen Film über eine fußballversessene Deutschtürkin vorgelegt, die sich nicht nur gegen ihren Vater, sondern auch gegen eine schwere Krankheit behaupten muss. In dem iranischen Fußballfilm „Offside“ (2005) von Jafar Panahi geht es um eine Fußballnärrin, die zwar nicht selbst spielt, deren Leidenschaft für den Sport aber revolutionäre Züge annimmt: Der Kampf des jungen Mädchens, in das Männern vorbehaltene Teheraner Fußballstadion zu gelangen, um ein wichtiges Spiel zu sehen, wird zum engagierten, lebensfrohen Manifest gegen politische und religiöse Restriktionen. Der sportliche Wettkampf lässt sich also wunderbar als Sinnbild für Kämpfe um Anerkennung im gesellschaftlichen Kontext verwenden. Und „Sinn-Bild“ ist dabei durchaus wörtlich zu verstehen, nämlich als sinnliche, körperbetonte Umsetzung. Der Reiz, den Frauenfußballfilme (und Filme über Frauen in anderen traditionellen Männersportarten) ausüben, besteht nämlich auch darin, Frauenfiguren „in Action“ zu präsentieren, ihre Körper als stark, schnell und leistungsfähig zu zeigen – Vorbilder für eine Frauengeneration, die ihr Leben aktiv gestalten will.

Neben den Spielfilmen hat auch das Genre Dokumentarfilm dem Thema Frauenfußball in den letzten Jahren verstärkte Aufmerksamkeit gewidmet und vielfältige Facetten abgewonnen. Neben Britta Beckers „Die besten Frauen der Welt“ (2007), der die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft zum Meistertitel bei der WM 2007 begleitet, beeindrucken vor allem Dokumentationen, die „durch die Brille“ des Frauenfußballs einen spannenden Blick in die jeweiligen Gesellschaftssysteme und ihre Konfliktlinien eröffnen. Dazu gehört z.B. „Football Under Cover“ (Deutschland 2008) um das erste offizielle Freundschaftsspiel zwischen der Iranischen Frauen-Nationalmannschaft und einer Berliner Mädchen-Bezirkself: Hier wird das trotz allerlei Widerständen organisierte Spiel zur Keimzelle, die die Hoffnung auf politische Veränderungen birgt.  „Hana, dul, sed…“ (Österreich 2009) von Brigitte Weich beleuchtet die Situation von Fußballspielerinnen im abgeschotteten Nordkorea: Porträtiert werden vier Spielerinnen der nordkoreanischen Nationalelf, für die Erfolg oder Misserfolg nicht nur eine sportliche Frage ist, sondern vom Regime mit unmenschlichem Druck aufgeladen wird.

Fußballspielen erfordert von den Mädchen also Kraft und Mut, es kann beides aber auch schenken – gerade weil es ein Mannschaftssport ist, bei dem man aufs Zusammenhalten und gegenseitige Kooperation angewiesen ist. Das zeigt der Schweizer Film „Pizza Bethlehem“ (2009). Er dokumentiert den Alltag von jungen Migrantinnen im Berner Vorort Bethlehem, deren Familien aus unterschiedlichen Kulturkreisen stammen, die aber trotz verschiedener Hautfarben und Religion im Fußball einen gemeinsamen Nenner finden. Diese Solidarität unter Frauen ist ein zentraler Punkt, der den Frauenfußball und die vielen Filme über ihn so schön macht: Während ansonsten das Klischee vom Zickenkrieg allzu oft gepflegt wird, lassen sich hier Geschichten von Begegnungen über Grenzen hinweg und von weiblichem Zusammenhalt erzählen. Also weniger „Germany’s Next Topmodels“, mehr Mädels, die kicken wie Beckham und wie Birgit Prinz – auf und vor der Kinoleinwand!

Zu den Rezensionen von film-dienst:

Siehe auch:

Frauenfußballfilmtage in Augsburg (Bericht)

Football under cover (Veranstaltung in Mönchengladbach)

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Quelle: www.kirche.tv

Die Frauenseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz möchte Frauen in ihren verschiedenen Lebenssituationen und Lebensphasen ansprechen.

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