Von Hannah Göbel
Man hört ihr Lachen schon, bevor man die Sporthalle betritt. Öffnet man dann die Türe, merkt man gleich, dass man nicht im normalen Sportunterricht gelandet ist.
Sie sind eine bunt gemischte Gruppe. Von Klasse 5 bis Klasse 11 findet man mindestens eine Vertreterin in ihrem Team. Sie sind offen, ballverliebt und haben Spaß am Spiel.
Wenn man ihnen zusieht, wie sie den Ball durch die Luft kicken, lachen und bei einem Tor jubeln, bekommt man glatt Lust, selbst aufs Spielfeld zu laufen und einfach mitzumischen.
Dass sich der Frauenfußball in der Edith-Stein-Schule Erfurt heute einer solchen Popularität erfreut, war nicht immer so. Er hat auch schon ganz andere Zeiten gesehen. Zeiten, da trainierten sie nur zu viert.
Davon ist heute jedoch nichts mehr zu spüren. Vor allem die jüngeren Mädchen kommen immer häufiger zum wöchentlichen Training und ab und zu lässt sich auch einer der "alten Hasen" wieder blicken, die schon länger die Schule verlassen haben und einfach mal vorbeischauen wollten.
Weshalb plötzlich wieder mehr Mädchen zum Fußballtraining kommen, darauf weiß keiner so wirklich eine Antwort. Sie alle wissen nur, dass sie kommen, weil es ihnen Spaß macht. Und weil Fußball eben nicht zwangsläufig nur etwas für Jungs ist.
Wahrscheinlich hat es auch etwas mit der Atmosphäre im Team zu tun. Sie ist ganz anders, als man es von Sportteams kennt.
Schon in der Umkleide wird herumgealbert. Man lacht, unterhält sich über Lehrer und tauscht den neusten Tratsch aus. Locker wird über Zuspätkommer hinweggesehen. Was soll's? Hauptsache man kommt, der Rest ist nicht so wichtig.
Wenn dann die Fußballschuhe zugeschnürt sind und die Frisuren richtig sitzen, geht es in die Halle. Im Sommer auf den Rasen.
Sie erwärmen sich am Anfang oft selbstständig, wie es ihnen gerade passt. Meistens stellt sich eine der älteren Spielerinnen ins Tor und die Jüngeren schießen, was das Zeug hält. Wenn man nicht trifft, ist es auch nicht schlimm. Nebenbei wird munter weiter gequatscht und selbst, wenn der Trainer dann in der Halle erscheint, ändert sich die Stimmung nicht.
Es ist nicht das typische Trainer-Spieler-Verhältnis, was zu spüren ist. Es ist mehr. Es ist freier. Keiner muss Angst vor Strafliegestützen oder Lauf-ABC am Rand des Platzes haben. Herr Möller würde die Mädchen nie zu etwas zwingen, das sie nicht tun wollen und nur, weil eine seiner Spielerinnen mit den Gedanken heute ganz woanders ist, muss sie deshalb nicht gleich zurechtgewiesen werden.
Während der Übungen hört das ewige Lachen und Reden anscheinend nie auf. "Es sind eben Mädchen", könnte man nun sagen.
Doch sie sind eben nicht nur Mädchen. Sie sind alle irgendwie Freundinnen. Sie wissen über die Andere Bescheid und das Training ist oft die beste Gelegenheit, sich nach dem Wohlergehen der Freundinnen zu erkunden, denen man sonst im stressigen Schulalltag nicht so oft über den Weg läuft. Probleme werden erörtert, Erfahrungen ausgetauscht und wenn eines der Mädchen am nächsten Tag noch eine wichtige Arbeit schreibt, so wird oft noch nebenbei gelernt und über das Thema diskutiert. Sie sind locker und man merkt, dass sie sich wohlfühlen.
Gegen Ende des Trainings teilen sie sich in Gruppen auf und spielen. Und spätestens hier merkt man den deutlichen Unterschied zu anderen Fußballteams. Hier geht es nicht um den Sieg. Es geht schlichtweg um den Spaß.
Da spielt ein Team, mit überwiegend jüngeren Spielerinnen aus der 5. Klasse gegen ein Team mit drei Zehntklässlerinnen, einer Ehemaligen und einer aus der 9. Klasse. Natürlich verliert das Team mit den Fünftklässlerinnen. Doch es scheint niemanden zu stören. Sie lachen. Sie jubeln trotzdem. Sie geben einander Tipps und wenn sie am Ende des Trainings wieder in den Umkleiden verschwinden, dann sehen alle Mädchen unglaublich glücklich aus. Zufriedenheit ist es, die das Spiel dominiert. Verletzungen sind selten und Fouls kommen beinahe nie vor.
Niemand ist jemals wirklich enttäuscht vom Training. Ab und an gibt es kleinere Auseinandersetzungen, doch diese sind spätestens nach einer Woche, wenn man sich wiedersieht, vergessen.
Das Training ohne Druck und die Freiheit der Spielerinnen, das scheint ihr Erfolgsrezept zu sein, denn das Team der Edith-Stein-Schule hat schon an mehreren Turnieren erfolgreich teilgenommen und in der Glasvitrine vor dem Sekretariat häufen sich die Pokale.
Die Mädchen spielen mit Begeisterung. Sie verbinden viel mit diesem Spiel. Und natürlich denken viele von ihnen nur noch an den Sommer und die Frauenfußball-WM. Einige von ihnen haben Karten und können es kaum erwarten, dass am 26.06.2011 um 15.00 Uhr das Eröffnungsspiel angepfiffen wird.
Erneut wird das ganze Land von unglaublich vielen Emotionen überrollt werden. Menschen aus allen Ländern werden erscheinen und sie, die Mädchen der Edith-Stein-Schule werden zwischen ihnen sitzen. Zumindest einige von ihnen. Wer keine Karten hat, fiebert vor dem Fernseher mit. Vielleicht werden sie sich auch einige Spiele gemeinsam ansehen.
Fußball ist für sie mehr als ein Spiel, bei dem es nur ums Toreschießen geht. Es ist ein Teil ihres Lebens. Eins, dass es bunter macht und ihnen Selbstvertrauen gibt. Ohne das Training einmal die Woche würde vielen von ihnen etwas fehlen, sagen sie.
Und wer weiß, vielleicht spielt eine von ihnen eines Tages bei den Profis...
Mit einem Klick auf den Playbutton können Sie sich den heutigen Tagessegen ansehen.
Quelle: www.kirche.tv
Die Frauenseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz möchte Frauen in ihren verschiedenen Lebenssituationen und Lebensphasen ansprechen.
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