Kleine Kulturgeschichte des Frauenfußballs
Der Deutsche Fußball-Bund führt bei 6,7 Mio. Mitgliedern eine Zahl von 1.050.301 weiblichen Mitgliedern auf (2010). Das Interesse am Frauenfußball ist ungebrochen. Der Blick in die jüngere Vergangenheit zeigt jedoch: Es war ein langer Weg, den der Frauenfußball von seinen Anfängen bis heute zurückgelegt hat. Die Gründung der Football Association (FA) im England des Jahres 1863 markiert den Beginn des vereinsmäßigen Fußballsports. Recht bald danach, nämlich 1894, entsteht die erste britische Frauenfußballmannschaft. Am 23. März 1895 besiegen Nord-Englands Frauen die weibliche Auswahl Süd-Englands mit 7:1. Diese Partie gilt als das erste offizielle Frauen-Fußballspiel.
Im Zuge der Veränderung der Rollenbilder durch den ersten Weltkrieg entstehen weitere Frauenfußball-Vereine, so als Betriebsteam einer Maschinenfabrik „Dick Kerr’s Ladies“ im Jahre 1917. In den kommenden Jahren sprießen in den englischen Ortschaften die Frauenfußball-Vereine wie Pilze aus dem Boden. Der weibliche Fußball-Boom ruft die männliche Konkurrenz auf den Plan. Unter Hinweis auf die „anstößige“ Fußballtracht, die nicht aus langen Röcken, sondern knielangen Hosen besteht, erklärt die Football Association, dass der Fußballsport für das „schwache Geschlecht“ unpassend sei und nicht unterstützt werden dürfe.
Im kaiserlichen Deutschland entwickelt sich die Leidenschaft für das runde Leder mit zeitlicher Verzögerung. An der traditionsreichen Braunschweiger Schule Martino-Katharineum führt der Lehrer Konrad Koch Schulspiele zur Ergänzung des Turnunterrichts ein. Aus England bringt er einen originalen Fußball mit und organisiert 1874 das erste offizielle Fußballspiel auf deutschem Boden. Ein Jahr später legt er die ersten deutschen Regeln des Spiels vor.
Nach dem ersten Weltkrieg nimmt der Sport des runden Leders in Deutschland einen rasanten Aufschwung. Überall entwickeln sich Vereine. Auch wenn in vielen Bereichen der Gesellschaft Frauen immer noch nicht gleichberechtigt sind, stellt die Aufnahme sportlicher Betätigungen einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Emanzipation dar. Das Sportabzeichen wird zuerst für Männer (1912), dann für Frauen (1921) und schließlich für Mädchen (1927) eingeführt. In den „Goldenen Zwanzigern“ entwickelt sich so vielfach ein neues Selbstbewusstsein von Frauen und ein allmählicher Wandel in den Vorstellungen von Frauenrollen. Natürlich werden die sportlichen Bestrebungen von Frauen von traditionell-konservativen Kräften noch mit allen möglichen Argumenten bekämpft: Die Bewegung gefährde die Psyche, die Erschütterungen beeinträchtigten die Organe der weiblichen Gebär- und Mutterfunktionen. Andere argumentieren, Sport sei wie Kampf in seinem Wetteifern um Höchstleistungen eine natürliche Domäne der Männer. Schließlich passten Muskeln und entsprechende Bewegungen ästhetisch nicht zur Anmut und zur Schönheit der Weiblichkeit.
Von Lotte Specht wird 1920 in Frankfurt der erste deutsche Frauenfußballverein gegründet. Die Frauen betreten mit Baskenmützen den Platz, um ihre Köpfe zu schützen. Von den Männern werden sie verlacht und beschimpft.
In der nationalsozialistischen Ideologie ist der Frau die Rolle zugewiesen, Kinder zu gebären. Die „Leibesertüchtigung“ dieser Zeit beschränkt sich so auf Turnen, Schwimmen und Gymnastik, Fußball ist als kämpferischer Sport den Männern vorbehalten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wird in Stuttgart 1947 der Deutsche Fußball-Bund wieder gegründet. Frauen-Fußball ist nach wie vor verpönt, obwohl mit Blau-Weiß in Oberhausen eine Damenmannschaft regelmäßig trainiert. Das „Wunder von Bern“ gibt ab 1954 dem Fußballboom in ganz Deutschland Auftrieb. Besonders das Ruhrgebiet wird im Nachkriegsdeutschland zur Frauenfußball-Region. Der DFB sieht diese Bestrebungen sehr kritisch. Ende Juli 1955 verbietet er den Vereinen, Damenfußball zu unterstützen oder Damen-Abteilungen zu bilden. Platzverbote und Spielabbrüche sind die Folge. Doch das „schwache Geschlecht“ findet sich mit dem Verbot nicht ab. In Essen werden der „Westdeutsche Damen-Fußball-Verband e.V.“ und der „Deutsche Damen-Fußball-Bund e.V.“ gegründet. Das erste Länderspiel bestreitet eine deutsche Frauen-Auswahl am 23.09.1956 gegen Holland. Die Damen laufen in schwarz-weißen Trikots auf den Platz, es wird die Nationalhymne gesungen. Holland muss sich mit 1:2 geschlagen geben. Eine Fortsetzung erhält das weibliche Kräftemessen zwischen Holland und Westdeutschland im März des folgenden Jahres in München. So zieht der Damenfußball in den kommenden Jahren weitere Kreise, an Länderspielen beteiligen sich England und Österreich. Im November 1957 findet in Berlin die erste inoffizielle „Europameisterschaft“ der Damen mit Teams aus Deutschland, Holland, England und Österreich statt.
Der DFB bleibt auch weiterhin bei seiner ablehnenden Haltung zum weiblichen Fußballsport. Im Gefolge der 68-er Revolution und der Studentenbewegung verstärken sich jedoch die Modernisierungs- und Liberalisierungstendenzen in den westeuropäischen Gesellschaften und lassen auch den Frauenfußball nicht unberührt. Überall in der Bundesrepublik wachsen die Zahlen fußballbegeisterter und praktizierender Frauen und Mädchen.

In der DDR entstehen ebenfalls in den 60er und 70er Jahren Frauenfußballteams, hier als Betriebssportgruppen, so in Dresden 1968 die BSG Dresden-Mitte Empor, in Leipzig die BSG Chemie. 1971 wird eins der heutigen Spitzenteams, Turbine Potsdam, gegründet. Eine Meisterschaft ist jedoch erst 1990, im Jahr der deutschen Vereinigung, möglich. In den letzten Tagen der Deutschen Demokratischen Republik erringt die BSG Post Rostock den Meistertitel.
Vom 7. bis 15. Juli 1970 findet in Italien die erste inoffizielle Frauen-Fußball-WM statt. Die deutschen Damen verlieren gegen England 1:5. Die Münchener Abendzeitung vom 9.7.1970 kommentiert, dass mit dem deutschen Team „die schönere Elf“ verlor. Auch gegen Dänemark müssen sich die deutschen Damen geschlagen geben. Nach diesem Turnier jedoch können sich die deutschen Spielerinnen vor internationalen Einladungen kaum retten. Der DFB muss seine bisherige Blockadehaltung schließlich aufgeben und beschließt am 31.10.1970 offiziell die Zulassung von Damenfußballspielen. Die Endrunde der ersten Deutschen Meisterschaft findet ab August 1974 statt, am 8. September werden die Frauen von der TuS Wörrstadt die ersten Deutschen Damenfußballmeister.
Ab 1977 unterstützt die Hamburgerin Hannelore Ratzeburg im DFB-Spielausschuss die Interessen des Frauenfußballs. Ihre Kompetenz und Energie sorgen dafür, dass das Thema Frauenfußball beim DFB immer wieder auf die Tagesordnung kommt. Ab 1980 kann sie in der UEFA und später auch in der FIFA die Belange des weiblichen Fußballs vertreten. Eine offizielle National-Elf wird erst 1981 unter Leitung von Gero Bisanz eingerichtet, der von der Spielerin Anne Trabant als Co-Trainerin unterstützt wird. Im Spiel gegen die Schweiz siegen die Deutschen am 10. November 1982 mit 5:1. In der zweiten Halbzeit wird die 18-jährige Silvia Neid eingewechselt, die 2006 die Bundestrainerin Tina Theune-Meyer ablöst und bis heute erfolgreich die Frauenfußball-Elf trainiert.
Die deutschen Damen erringen 1989 den Europameistertitel, den sie mit Ausnahme von 1993 bis heute sieben Mal verteidigen. Höhepunkt der Entwicklung sind jedoch der Weltmeistertitel 2003 in den USA und seine Verteidigung 2007 in China. 2010 werden die U-20 Frauen Weltmeister beim Turnier im eigenen Land.
Der Frauenfußball ist im Deutschland des Jahres 2011 angekommen. Allen vergeblichen Versuchen zum Trotz, dem „schwachen Geschlecht“ das Fußballspielen zu verbieten oder auszureden, hat sich der weibliche Kick mit dem Lederball etabliert. Damit wurde ein großes Stück Emanzipationsgeschichte im Sport mitgeschrieben. Der Frauen-Fußball erhält nun mehr und mehr öffentliche Aufmerksamkeit und Förderung. „Die Zukunft des Fußballs ist weiblich“, so das berühmt gewordene Bonmot Sepp Blatters zum Frauen- und Mädchenfußballkongress 2005 in Köln. Frauenfußball begeistert und vereint Menschen aller Religionen, Sprachen und Hautfarben rund um das Leder. Die „Elf“en der Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland sind Botschafterinnen der Völkerverständigung und der Gleichberechtigung.
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Quelle: www.kirche.tv
Die Frauenseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz möchte Frauen in ihren verschiedenen Lebenssituationen und Lebensphasen ansprechen.
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