Baxolele Terrance Mpimpilashe, 34 Jahre, hilft seit über zehn Jahren südafrikanischen Kindern in den Armenvierteln von Kapstadt. Er trainiert sie im Fußball und zeigt ihnen nebenbei, was im Erwachsenenleben wichtig ist.
Wie gestalten Sie die Jugendarbeit in den Townships?
Wir arbeiten in den Townships des gesamten Western Capes vor allem mit unterprivilegierten Jugendlichen zusammen. Unsere Arbeit sieht im Großen und Ganzen so aus, dass wir Jugendliche zu Gruppenleitern ausbilden. So unterstütze ich als Jugendarbeiter die Entwicklung unserer Jugendlichen. Das geschieht hauptsächlich durch sportliche Aktivitäten, wie Squash und Fußball, aber auch durch moderne und traditionelle Tänze. Außerdem bieten wir Workshops an, so genannte „Lifeskills“, in denen Jugendlichen alles Nützliche für ein selbstständiges Leben lernen. Das fängt an bei der richtigen Hygiene bis hin zum Führen eines Haushalts, besonders das Kochen.
Was sind das für unterprivilegierte Jugendliche?
Es sind Jugendliche, die aus dem Schulsystem herausfallen oder aus irgendeinem Grund die Schule abbrechen. Viele arbeitslose Jugendliche sind darunter, die keinen Zugang zu stabilen gesellschaftlichen Strukturen haben. Gerade diese brauchen unsere Hilfe. Wenn diese Jugendlichen nichts zu tun haben, dann folgen sie zu schnell den Dingen, die sie sehen. Sie folgen kriminellen Elementen. In den Cape Flats gibt es Gangs, die alle Namen haben, und es geht immer darum, wer die stärkste Gruppe ist. Die Jugendliche versuchen von einer Gruppe zur nächsten aufzusteigen. Sie folgen irgendeinem Sog - besonders dann, wenn sie nichts zu tun haben.
Wie unterstützt Sie die südafrikanische Regierung?
In Bezug auf die Entwicklung der Bevölkerung in den Townships wird von Seiten der Regierung wenig unternommen. Das bleibt in erster Linie den NGOs überlassen. Die Hilfe der Regierung beschränkt sich im Prinzip auf Dinge, von denen man weiß, dass sie ein gutes Ergebnis erzielen. Zum Beispiel haben wir keine festen Gebäude, wo sich unsere Jugendlichen treffen könnten. Doch die Tanzgruppen trainieren in alten Containern. Wir halten Kontakt mit der Regierung, die diese Container in den sozialen Brennpunkten aufstellen lässt. Die Fußballteams hingegen haben keinen Fußballplatz zur Verfügung. Sie trainieren auf einen Gelände neben der Autobahn. In diesen ungeplanten Siedlungsgebieten ist es selbst für die Regierung schwierig, Strukturen zu schaffen. Es gibt kein Wasser, es gibt keinen Strom, aber wenn wenigstens ein Container da ist, der wird dann für alles Mögliche hergenommen, auch für andere Versammlungen und Gemeindeaktivitäten.
Wie viele Kinder trainieren Sie?
Allein die Fußballer sind 84 Jugendliche, dazu kommen 50 beim Seilspringen. Da sind wir sehr erfolgreich. Wir haben schon an den Weltmeisterschaften im Seilspringen teilgenommen. Außerdem haben wir eine Squash-Gruppe mit 30 Kindern. Hier ist der Bedarf sehr hoch, nur leider müssen wir die Anzahl der Jugendlichen auf 30 beschränken. Die Halle befindet sich nicht in unserer Gemeinde und sie wird von vielen anderen Teams mitbenutzt. Deswegen dürfen wir sie nur an einem Tag nutzen. Die Anzahl der Jugendlichen, die ich Ihnen nenne, sind nur die Zahlen der Personen, die ich sehe und mit denen ich arbeite. Aber sportliche Aktivitäten für Jugendentwicklung gibt es auch in anderen Stadtteilen.
Was können die Jugendlichen lernen, was sie zu Hause nicht lernen können?
Disziplin, sie brauchen Disziplin. Dann lernen sie viel über ihre Beziehung untereinander. Wir alle müssen den anderen, die andere kennen und Unterschiede akzeptieren lernen. Wir unterstützen die Jugendlichen, genauso, wie sie andere unterstützen müssen, wenn sie Probleme untereinander haben. Und ich bin immer da. Sie können immer zu mir kommen und mich um Rat fragen. Wenn junge Leute kommen und Rat brauchen, dann stehe ich jederzeit zur Verfügung. Es ist wichtig für junge Menschen, einen festen Ansprechpartner zu haben.
Sind Sie also eine Art Vorbild für die Jugendlichen?
Ja, wir wollen die Jugendlichen ermutigen und ihr Selbstwertgefühl steigern. Sie müssen lernen, zu sich selbst zu stehen. Wir wollen, dass sie sich wahrnehmen mit ihren Stärken und Schwächen. Das ist es im Grunde: Wir nehmen sie wahr und wollen, dass sie wahrgenommen werden und wissen, dass sie jemand sind.
Und das funktioniert über Sport?
Ja, es funktioniert. Integration findet auf dem Fußballplatz statt, wo wir gegen viele unterschiedliche Jugendliche spielen. Gegen schwarze, weiße und andere Hautfarben. Hier trifft man sich und lernt voneinander.
Und im Leben der Jugendlichen? Wie weit reicht der Integrationsprozess? Reicht er über den Sport hinaus? Finden sie zurück in die Arbeit und die Gesellschaft?
Ja, ich denke, es hilft ihnen. Wir geben ihnen Anstöße. Vor allem in den Lifeskills beginnen die jungen Menschen, gemeinsam zu lernen und gemeinsam auf ein Ziel hinzuarbeiten. Es kommt vor, dass sich junge Leute, die sich in so einem Workshop gefunden haben und gemeinsam lernen, einen Kurs besuchen und dann einen Abschluss haben, der sie wieder zurück ins Berufsleben bringt.
Was bedeutet Ihnen die Arbeit mit den Jugendlichen?
Zuallererst: Ich lebe im gleichen Umfeld wie meine Jugendlichen. Ich lebe auch im Slum und ich sehe, dass bei uns dringend etwas für Jugendliche getan werden muss, und daher nehme ich die Kraft für meine Arbeit. Ich bin immer für die Kids da, ich liebe es, mit ihnen zu arbeiten. Ich mache viele positive Erfahrungen: Die Jugendlichen wollen immer sehen, was ich tue. Ich bin ein Vorbild für sie, weil ich nicht rauche, nicht trinke und keine Drogen nehme. Ich bin immer nüchtern und immer, wenn sie Fragen haben oder etwas wissen wollen, kommen sie zu allererst zu mir. Es ist für sie eine Art sich einzubringen.
Sie sind also „der Weise“ für die Jungen?
Ja, das bin ich. Zum Beispiel morgens – mein Haus steht an der Hauptstraße –, jedes Wochenende muss ich bei meinem Job sein. Wenn Veranstaltungen oder Turniere sind, kommen die Jugendlichen morgens um sieben an meine Tür und klopfen. Sie wollen nur sicher gehen, dass ich auch früh genug aufstehe und das Turnier nicht verpasse, am Samstag und am Sonntag. Ich kann nichts anderes tun.
Und es wird Ihnen nicht zu viel?
Ich liebe es. Wenn ich das nicht tue, wird es niemand tun. Wenn die Arbeit mir zu viel wäre, dann würde etwas zerbrechen, weil die Kids mich als Lügner bezeichnen würden, als unzuverlässig. Ich muss entscheiden: Sind das nun Überstunden, oder ist es mein eigener Beitrag? Manchmal rufen auch Jugendliche aus anderen Gemeinden an, die nur gehört haben, dass ich gute Arbeit mache.
Das Interview wurde freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom Club der guten Hoffnung.
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Quelle: www.kirche.tv
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