Wer an Fußball-Fans denkt, dem kommen leicht Bilder von grölenden, alkoholisierten und pöbelnden Männern vor Augen. Dass Fußballbegeisterung auch anders daherkommen kann, das zeigen Rut-Maria Rolke aus Hildesheim und Roswitha-Maria Schmitz aus Ahrweiler. Beide sind Ordensfrauen, die eine ist Vinzentinerin, die andere gehört zum Orden der Ursulinen. Beide machen neben ihrer Berufung zu einem klösterlichen Leben kein Hehl aus ihrer Fußballneigung. „Samstags vor der Sportschau war es bei uns zu Hause stiller und ging es andächtiger zu als in der Kirche“, bekennt Schwester Rut-Maria. „Ich habe fünf Onkels und 13 Cousins, die alle Fußball spielen.“ Ihre Mitschwester aus Ahrweiler verweist nicht ohne Stolz auf die Frauenfußballmannschaft des SC 07 Bad Neuenahr in ihrer Heimat, die bereits seit den 70er Jahren besteht. „Nach dem bis dahin größten Turnier im Mai 1970 hier in Bad Neuenahr haben die Italiener bald danach den SC 07 als deutschen Vertreter zur ersten inoffiziellen Weltmeisterschaft eingeladen.“
Beide Ordensfrauen stehen mitten im Leben, die eine in der Begleitung von jungen Menschen in Kursen, Exerzitien (geistlichen Übungen) und Einzelgesprächen, die andere als Lehrerin und geistliche Begleiterin. Überdies engagieren sie sich in der Internetseelsorge bei www.kirche.funcity.de und haben daher viel Kontakt mit suchenden und fragenden Menschen.
Schwester Rut-Maria schätzt am Fußballsport vor allem, dass man als Gemeinschaft mit Geschicklichkeit und Strategie ein Ziel verfolgt. „Auch fasziniert mich die Leidenschaft, als Zuschauer mit den anderen leiden, schimpfen, schreien und sich freuen zu können.“ Beide sind sich einig in ihrer Ablehnung von Fanatismus und Beschimpfungen der gegnerischen Mannschaft. „Auch nach einer deftigen Niederlage muss ich meinem Gegenüber die Hand reichen und zum Sieg gratulieren können“, meint Rut-Maria Rolke.
Ihre Ursulinenkollegin Sr. Roswitha-Maria hat zudem das Glück, an einer vom DFB zertifizierten „Eliteschule des Fußballs“ mitwirken zu können, einem gut funktionierenden Netzwerk von Schule, Leistungszentrum und Verband, bei dem zwei Fußballvereine, der DFB und die Ursulinen als Träger der Schulen und des Internats Calvarienberg in Bad Neuenahr-Ahrweiler Kooperationspartner sind. „Im Moment haben wir neun Schülerinnen an unseren Schulen, die entweder in der Verbandsauswahl oder in Nationalmannschaften spielen“, erklärt Schwester Schmitz. „Unsere Schülerinnen sind Leistungssportlerinnen und diese Doppelbelastung ist nicht immer einfach für die Mädchen. Zwei bereiten sich im U-19-Nationalteam auf die EM in Italien vor und machen nächstes Jahr Abitur. Hier ist eine enge Koordination mit Fachlehrerinnen und Fachlehrern sowie eine gute Begleitung wichtig. Aber wir haben einen sehr flexiblen Tagesplan, der sich individuell dem Trainingsplan des DFB anpassen lässt.“ Frauenfußball müsste, so Roswitha-Maria, mehr Anerkennung bekommen, denn die Frauen leisten mitunter mehr als die Männer.
Rut-Maria ist fasziniert von der anderen Spielweise im Frauenfußball: „Die Passgenauigkeit finde ich zum Beispiel sagenhaft, wenn die Frauen auch nach 32 Metern noch einen Bierdeckel treffen würden.“ Auf die Frage, zu welchem Club sie hält, nennt die Fast-Rheinländerin die Borussia Mönchengladbach. Aber sie geht auch schon mal nach Köln: „Die haben die besseren Fangesänge und die fröhlichere Stimmung.“ Rut-Maria hingegen darf sich über den neuen Deutschen Meistertitel für „ihren“ Verein, den BVB aus Dortmund, freuen. Dort hat sie kurz vor ihrem Eintritt ins Kloster ihr erstes Bundesliga-Spiel miterlebt. Ihre Herzinnenseite jedoch schlägt nun für Hannover 96; derzeit auch nicht gerade schlecht. „Wenn also Dortmund gegen Hannover spielt, hab ich den grünen Schal um“, lacht sie.
Und wie werden die beiden fußballbegeisterten Ordensfrauen die Frauen-WM begehen?
Rut-Maria wird wohl mit ihrer Oberin zu einem Spiel nach Wolfsburg oder Dresden gehen, Roswitha-Maria wird – weil zu dieser Zeit Ferien sind – mit Mitschwestern und Freunden gemeinsam vor dem Fernseher fiebern. Wir freuen uns mit ihnen auf Leder und Leben.
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Quelle: www.kirche.tv
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