Zeit, dass sich was dreht!

Von Theresia Schneider

Theresa Schneider (35) hat in Münster und Rom Diplomtheologie studiert. Sie ist Pastoralreferentin im Bistum Münster. Seit 2007 arbeitet sie als Referentin für junge Erwachsene beim BDKJ, Landesverband Oldenburg. Sport gehört neben Theologie zu ihren ganz großen Leidenschaften.

„Wenn ich FRAUENfußballweltmeisterschaft nur höre, dreht sich bei mir der Magen um!“ erzählt mir ein Bekannter. „Fußball ist MÄNNERsache und das soll auch in Zukunft so bleiben!“

Wie schwer scheint es vielen Menschen zu fallen, neben Bewährtem auch Neues zuzulassen und in ihm, statt Konkurrenz zu Bestehendem, eine Bereicherung zu sehen. Mir fällt angesichts der genannten Aussage nur der Song von Herbert Grönemeyer zur Fifa-WM 2006 ein: „Zeit, dass sich was dreht!“ und das nicht nur mit Blick auf den Magen meines Bekannten.

Wer sich umdreht und das Leben um sich betrachtet, wird feststellen: Auch Dinge, die zu einer bestimmten Zeit gut und allein richtig sind, bedürfen – angesichts neuer Herausforderungen und Entwicklungen - einer Überarbeitung oder Ergänzung. Zeiten ändern sich. Geschlechterrollen auch.

Wer sich dreht, weiß, worauf es im Innersten ankommt. Der kennt den wirklichen Dreh- und Angelpunkt. Wer etwas auf Dauer ins Rollen bringen will, muss zwischen Wesentlichem und Veränderbarem unterscheiden. Menschen, die etwas ins Rollen bringen, werden Wandelbares den aktuellen Entwicklungen anpassen und liebevoll ein Nebeneinander von verschiedenen Dingen akzeptieren, weil sie wissen, dass sie doch alle dem einen Ziel in unterschiedlicher Weise dienen.

Eine wichtige Erkenntnis für Fußballfans wie für Christen/innen.

Wer beim Fußball vor Augen hat, dass es hier eigentlich um Freude am Sport, um Toreschießen und Gewinnen, um Technik, Taktik und Teamgeist geht (Künste, die  die Spielerinnen der antretenden Fußballteams überzeugend beherrschen), der kann im Frauenfußball keine Konkurrenz zum Männersport sehen. Vielmehr erkennt er, worum es sich wirklich dreht und ist frei, das engagierte und frische Spiel der Fußballerinnen zu genießen. Er kann mit Menschen aus der ganzen Welt - mit „alten“ Fußballfans wie mit neuen Anhänger/innen des Frauenfußballs – begeistert feiern und hautnah erleben, welche Freiheit das Festhalten am Wesentlichen im Fußballsport ermöglicht.

Nichts gibt es daran zu drehen: Wer etwas dauerhaft ins Rollen bringen will, muss sich auf das Wesentliche konzentrieren. Das gilt für viele Lebensbereiche – auch für das Christsein.

Überzeugend von Gott erzählen können in einer sich immer wieder verändernden Gesellschaft nur diejenigen, die begriffen haben, was die eigentliche Mitte ihres Glaubens ist: Gottes Wunsch nach Beziehung zu allen Menschen, die Zusage, dass Gott unser Leben gelingen lassen will, wenn wir ihm vertrauen. Wie ein solches Leben aus Gottvertrauen aussehen kann, hat Jesus Christus vorgelebt. Sein Vorbild ist zum „Drehkreuz“ authentischer Verkündigung geworden.

In unseren Kirchengemeinden müssen wir derzeit schmerzlich feststellen, dass wir mit den bisher bewährten Ausdrucksformen des Glaubens nicht mehr alle Menschen erreichen können. Neue Wege sind daher nötig, die die bewährten Wege ergänzen. Angstfrei und voller Gottvertrauen dürfen wir kreativ werden, weil die Mitte stimmt. Der Anpfiff ist erfolgt: „Zeit, dass sich was dreht!“ – in der Kirche und im Fußball.

Arbeitsstelle für Frauenseelsorge
der Deutschen Bischofskonferenz

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Quelle: www.kirche.tv