Spielerische Spiritualität?
Spirituelles Spielen?

Von Alexandra Lehmann

Alexandra Lehmann, Fußballspielerin und –trainerin in einer Hobby-Mannschaft in Köln. seit vielen Jahren ehrenamtlich in der kirchlichen Kinder- und Jugendarbeit engagiert, arbeitet für die Katholischen Jugendwerke Rhein-Erft-Kreis e.V. im Bereich der Nachmittagsbetreuung an Schulen und in der Jugendberufshilfe.

Was hat Spiritualität mit Spielen zu tun? Auf den ersten Blick anscheinend gar nichts,  Spiele haben im spirituellen Zusammenhang wenig zu suchen. Spiritualität wird  häufig gleichgesetzt mit Frömmigkeit und Religiosität, mit Stille und Weite und mit der Suche nach einem höheren Seinsgrund. Dort geht es eher um die Ernsthaftigkeit bestimmter Rituale und Handlungen mit dem Ziel ein Bewusstsein zu schaffen, dass die Seele des Menschen in einer höheren geistigen Welt ihren Ursprung hat.

Aber im umgekehrten Fall – bei der Frage: Was hat Spielen mit Spiritualität zu tun? - sieht es anders aus: Da gibt es Begriffe wie „Spirit of the game“, „Fußballgott“, „Teamspirit“, „Fußballkathedrale“, „heiliger Rasen“ uvm. Hier wird auf einmal mit einer Fülle von spirituell angehauchten Begriffen versucht die Begeisterung vieler für ein Spiel bzw. einen Sport zu erklären. Auch das Spiel muss ernst genommen werden, nicht nur wegen der Regeln, sondern auch wenn es um persönliche Erfahrungen und Bereicherungen geht. Dennoch lebt das Spiel auch von einer Leichtigkeit und Unbefangenheit. Dies sind eigentlich die Ziele, die auch mit spirituellen Übungen erreicht werden können. Können daher das Spiel und der Sport den Weg zu einer Spiritualität ebnen oder diese vertiefen?

Vor der Frauenfußball-WM ist durch ganz Deutschland die „Spielfreude“-Tour gelaufen, bei der in unterschiedlichen Städten ein Parcours und ein Spielfeld aufgebaut wurden um auf die Frauenfußball-WM aufmerksam zu machen und zu begeistern, um eine Atmosphäre freudiger Erwartung zu schaffen. Auch hier wurde durch das Spiel und den Sport auf eine besondere Spiritualität – ein „WM-Feeling“ - hingearbeitet.

Die heilige Theresa von Avila hat einmal gesagt: „Tue Deinem Leib etwas Gutes, damit Deine Seele Lust hat in ihm zu wohnen!“ Wenn wir einen Sport ausüben, gibt es sehr viele Elemente, die auch mit Spiritualität zu tun haben:

  • Das Atmen. Gerade unter Belastung im Sport nehmen wir den Atem, der unser Herz mit Sauerstoff versorgt, als Lebensenergie wahr.
  • Das Fühlen. Fußballer/innen kennen besonders das Ballgefühl, das besondere Spiel und die besondere Technik mit dem Ball. Sie lernen sich auch in andere einzufühlen.
  • Angst und Mut. Beispielsweise die Angst einen Elfmeter zu vergeigen und dennoch den Mut zu haben gegen den Ball und das Tor anzulaufen, weil es da die Hoffnung auf einen Erfolg gibt.
  • Miteinander und Gegeneinander. Der Mannschaftssport lebt vom „Teamgeist“, aber auch von der Konfrontation und dem Wettkampf mit anderen Teams. Genauso wie wir im Alltag merken, dass wir nur als Gruppe stark sind und den Konfrontationen des Lebens so entgegentreten können.
  • Freude. Wie leicht fällt es im Spiel sich Ziele zu setzen und diese auch zu erreichen? Da reicht schon ein toller Spielzug aus, um die Spielfreude zu beleben.
  • Umgang mit Sieg und Niederlage. Himmelhoch jauchzen und zu Tode betrübt sein gehören beim Fußball unbedingt zueinander. Aber der Umgang damit stärkt die Spiritualität auch in den Alltag hinein.

Es zeigt sich also, dass der Sport und das Spiel helfen und unterstützen können auf der Suche nach Spiritualität. Die Elemente, die das Spiel ausmachen, helfen uns im Alltag, helfen uns eine eigene Spiritualität zu finden. Und über allem weht der Geist Gottes, der uns begleitet und führt. Amen.

Arbeitsstelle für Frauenseelsorge
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Quelle: www.kirche.tv