Von Prof. Dr. Hildegund Keul

Alles fiebert auf das Endspiel hin. So wünsche ich es mir jedenfalls. Aber in Deutschland ist das Feuer durch das Ausscheiden des deutschen Teams kurzzeitig abgekühlt. Im Viertelfinale hat sich gezeigt: Spiele sind unberechenbar. Das zeichnet sie ja gerade aus, die Spiele allgemein und speziell die Fußballspiele. Alle wollen die Meisterschaft erringen. Aber dieser Triumph ist nur einem Team vergönnt. Selbst das beste Team kann überraschend ausscheiden.
Zu guten Spielen gehören solche dramatische Szenen. Welche Schande empfindet die Spielerin, die für ein Eigentor verantwortlich ist. Oder die Torfrau, die einen klitzekleinen Moment unaufmerksam war und das entscheidende Gegentor kassiert hat. Oder die Stürmerin, die den Siegtreffer auf dem Fuß liegen hatte und dann am Tor vorbei schoss. Favoritinnen verlassen das Feld als Geschlagene. Solche Szenen sind aus dem Fußball nicht wegzudenken.
Aber sind die Verliererinnen wirklich Geschlagene? Wenn man gewinnt, ist es leicht, als Weltmeisterin da zu stehen. Aber es gibt auch eine Meisterschaft des Verlierens. Vielleicht ist sie die noch größere Kunst. In den Tagen, wo so viele Teams verlieren, aber nur eines Weltmeisterin wird, ist diese Kunst besonders gefragt.
Um die Meisterschaft des Verlierens zu erlangen, gibt das Neue Testament einen Impuls.
„Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ (2 Tim 1,7)
Geist der Besonnenheit: den Ball flach halten, was die eigenen Schwächen und das große Pech angeht.
Geist der Liebe: das gute Spiel der Gegnerinnen wertschätzen.
Geist der Kraft: den gesenkten Blick heben und froh sein über das, was erreicht ist.
Wo diese Geistkraft zum Zug kommt, kann die Begeisterung wieder aufflammen. Und aus der Weltmeisterschaft wird doch noch ein Sommermärchen.
Arbeitsstelle für Frauenseelsorge
der Deutschen Bischofskonferenz
Kaiser-Friedrich-Str. 9
53113 Bonn
(02 28) 2439-411
www.frauenseelsorge.de
Mit einem Klick auf den Playbutton können Sie sich den heutigen Tagessegen ansehen.
Quelle: www.kirche.tv
Alle Rechte vorbehalten © 2011 Deutsche Bischofskonferenz