Von Sr. M. Paulis Mels

„Ach, die Welt, sie liegt danieder, sie erglüht im Fußballfieber“ – sinnierte unlängst seufzend ein Herr, Familienvater von drei Töchtern im Teeniealter, die voller Begeisterung die Spiele des Damenfußballs verfolgen. Fußballfieber, ein interessantes Wort. Schauen wir es einmal genauer an.
Fieber ist eine erhöhte Körpertemperatur, die durch die Arbeit des Körpers entsteht, der ein gesundes Gleichgewicht der körpereigenen Kräfte wieder herzustellen versucht. Es ist also ein Abwehrmechanismus gegen schädigende Kräfte. Bildlich übersetzt heißt Fieber: „Vor Eifer und Sehnsucht glühen“, so liest man im etymologischen Wörterbuch (Duden 1997). Wie treffend dieses Bild spricht: Sind nicht auch das Lampenfieber oder das Reisefieber ein ungestümes Entgegensehen, ein Entgegenfiebern dem, was da kommen wird?
Und das Fußballfieber? Glühen nicht auch die Spielerinnen, wenn sie die Torchancen der anderen Mannschaft abzuwehren und eigene zu erlangen versuchen? Fieberhaft ist ihr Bemühen, den Ball ins eigene Tor zu manövrieren. Und wie fiebern erst mal die Fans! Laolawellen gehen wie Hitzewallungen durch die Ränge. Und Bezeichnungen wie Nord-, Süd-, West- oder Ostkurve der Tribüne klingen fast wie „Fieberkurve“.
„Vor Eifer und Sehnsucht glühen“ – ist das nicht auch eine zutiefst geistliche Grundhaltung? Im Psalmwort heißt es: „Der Eifer für dein Haus verzehrt mich“ (Ps 69,10). Dies wird später auf Jesus bezogen. „Vor Eifer und Sehnsucht glühen“: Tun das nicht auch die Menschen, die Jesus in der Bergpredigt selig preist? Sind es nicht die Menschen, die glühenden Glaubens die Sanftmut leben und die Feinde lieben? Sind nicht der Hunger und der Durst nach Frieden und Gerechtigkeit eine glühende Sehnsucht, ein Hinfiebern zu Fairness und Geschwisterlichkeit?
Und Paulus mahnt die Römerinnen und Römer, nicht im Eifer nachzulassen. Ja, er setzt noch eins drauf: „Lasst euch vom Geist entflammen!“ (Röm 12,11) Die Christinnen und Christen sollen glühen in ihrer Sehnsucht nach Gott, nach einer gerechten Welt und in ihrer Glaubensfreude. Auch der glühende Geist des Pfingstfestes will uns anstecken, um uns zu Christen zu machen, die nicht lau sind, sondern brennend für Gott und die Menschen. Die Glut des Geistes ist eine stürmische Kraft, wie uns das Pfingstfest zeigt.
Und mit dem „Stürmen“ wären wir wieder beim Fußballfieber. Ob Stürmerinnen des Mittel- oder Außenfeldes, in der Abwehr, als Libera oder Torwart: In jedem Fall bedarf es eines überlegten, aber stürmenden Einsatzes und glühender Begeisterung des Herzens, um ein Spiel zu gewinnen. Ebenso bedarf es glühenden Glaubens, eines wahren Glaubensfiebers, um von Herzen geistlich zu leben. Lassen wir uns anstecken von diesem Glaubensfieber.
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Quelle: www.kirche.tv
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