Fan-Frau Gottes

Von Christina Bettin

Mein Name ist Christina Bettin. Ich bin 44 Jahre alt, verheiratet und habe zwei Kinder (eine Tochter, 17, und einen Sohn, 14 Jahre alt). Seit 1990 bin ich im Bistum Aachen als Gemeindereferentin tätig. Derzeit arbeite ich im katechetischen und liturgischen Bereich in der Gemeinschaft der Gemeinden in Mönchengladbach Süd.

Als Christin eine Fan-Frau Gottes zu sein, fällt mir in Glücksmomenten nicht schwer, dann jubelt und jauchzt sowieso alles in mir. Dann bin ich dermaßen euphorisch, beschwingt und begeistert, dass Gott mein Herz förmlich zufliegt. Dann kann mir gar nichts mehr passieren. Mit ihm an meiner Seite ist dann alles möglich. Ich fühl mich wie im siebten Himmel und ihm ganz nahe und vertraut.

Doch wie sieht es aus, wenn mir der Blick verstellt ist? Wenn alles trostlos und dunkel ist? Wenn mir oder anderen Leid widerfährt? Wenn z.B. unheilbare Krankheiten, Katastrophen oder Anfeindungen kommen? Was ist mit all diesen bedrückenden Erfahrungen, für die ich keine Erklärung finde und bei denen ich auf die „Warum-Frage“ keine Antwort erhalte. Ich gebe zu, dann fällt es mir manchmal richtig schwer, eine Fan-Frau  Gottes zu sein.

Wenn wir in diesen Tagen der Frauenfußball-WM genau hinschauen, dann entdecken wir vielleicht, dass es auch im Fußball so ist. Bei Erfolg und Spitzenleistung fällt es mir nicht schwer zu applaudieren. Ein Klasse Tor reißt mich spontan von meinem Sitz. Spielerisches Können, Dribbelkunststückchen und auch ein perfektes Zuspiel haben schon mal Standing Ovation verdient. Die Pokalheldinnen und Erstplatzierten ernten minutenlangen tosenden Beifall.  Erst bei Niederlagen, bei vertanen Chancen und Abstiegsgefahr zeigt sich doch, ob ich wirklich Fan-Frau bin. Stehe ich dann noch zu meiner sonst viel umjubelten Mannschaft?

Fan-Frau bin ich nicht nur allein zu Hause vor dem Fernseher. Im Stadion füllen wir die ganze Fankurve und erleben uns als echt starke Gruppe. Gemeinsam sind wir stimmgewaltig und mitreißend. Wir schaffen es, mit unserem Jubel die Stimmung anzuheizen. Das unterstützt und motiviert die Spielerinnen auf dem Platz, es lockt das Letzte aus ihnen heraus. Sie lassen sich antreiben zu noch mehr Leistung.

Christin bin ich auch nicht allein (obwohl man sich in den immer leerer werden Sonntagsgottesdiensten schon mal wie auf verlassenem Posten fühlen kann). Ich weiß mich verbunden mit einer weltweiten Gemeinschaft. Das bildet gleichsam ein unsichtbares Netzwerk rund um den Globus. Bei Großereignissen wie den Weltjugendtagen, wenn viele tausend Gläubige zusammenkommen, da spüre ich es ganz deutlich, diese Kraft und Stärkung, die von den Gleichgesinnten ausgehen. Ich brauche dieses Gruppenerleben und die Verbundenheit. Das bestärkt mich, auch in meinem Alltag christliches Leben zu versuchen.

Die Frauen-Fußball-WM ist ein Sportereignis, das Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen zusammenführt. Das gemeinsame Fiebern und Feiern als Fans unterschiedlicher Nationen verbindet und eröffnet eine Chance für interkulturellen und interreligiösen Dialog. Wir können voneinander lernen.

Das tolle und besondere in der Freundschaft zu Gott ist dann, und das fasziniert mich immer wieder, dass er ja noch ein viel größerer Fan von mir ist, als ich das je von ihm sein könnte. Er begeistert sich für mich vor aller erbrachten Leistung. Er hält zu mir, auch wenn ich am Boden liege und so manches verbockt habe. Er gibt mich nicht auf. Er hilft mir vielmehr auf und gibt mir eine neue Chance. Er möchte das Potential in mir wecken, auf dass mein Leben glückt. Ist das nicht zum Jubeln?!

Arbeitsstelle für Frauenseelsorge
der Deutschen Bischofskonferenz

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53113 Bonn
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Quelle: www.kirche.tv