Fair Play – die beste Seite des Frauenfußballs

Von Sr. Dr. Maria Goetzens

Sr. Dr. Maria Goetzens, Jahrgang 1959, Eintritt bei den Missionsärztlichen Schwestern 1983. Vor ihrem Eintritt, Anfang der 80er kurze internationale Erfahrung auf den Philippinen, die ihren heutigen beruflichen Einsatz wesentlich mitbestimmte.

„Fair ist mehr“ – mit diesem Motto hat der Deutsche Fußballbund (DFB) eine Fair-Play-Aktion ins Leben gerufen. Dem Fair Play im Fußball soll so wieder mehr Gewicht verliehen werden. Die beteiligten Verbände benötigen dazu die Mithilfe aller Fans und Fußballinteressierten. Sie fordern auf, beispielhaft faires Verhalten von Spielern, Trainern, Betreuern und sonstigen Vereinsmitgliedern zu melden.

Als ich diese Nachricht las, dachte ich: Welch eine Chance! Stellen wir uns vor, wir alle reden in der Zeit der Frauen-Fußball-WM darüber, was „gut“ und „fair“ läuft im Frauenfußball! Wir alle reden darüber, was „gut“ und „fair“ läuft im Leben, was uns Sinn, Halt und Freude gibt!

Stellen wir uns vor, wir würden Beifall klatschen und davon erzählen, wenn eine gefoulte Spielerin eine versöhnliche Geste für die Spielerin findet, die sie gefoult hat, anstatt Tätlichkeiten, Brutalo-Fouls, Schwalben oder sonstige Unsportlichkeiten zu erwähnen. Stellen wir uns vor, wir sagen weiter, wenn eine Trainerin, ein Fanbetreuer, ein Vereinsmitglied alles dafür einsetzt, in kritischer Situation „fair“ zu handeln.

Ja, das wäre „das Beste“, wenn Fair Play in unserem Leben Raum gewinnen kann und wir davon erzählen, nicht, weil wir dabei etwas gewinnen wollen, sondern weil wir dabei eine andere Weltsicht gewinnen!

Wussten Sie schon, dass vier von fünf unserer Fußbälle – von beinahe allen Herstellern und Marken seit vielen Jahren aus Pakistan kommen? Bis Anfang der 90er Jahre wurden sie unter ausbeuterischen Bedingungen produziert, mit Kinderarbeit und Hungerlöhnen für die ArbeiterInnen, denen Arbeits- und Organisationsrechte verweigert wurden. Durch die Kampagne »fair play – fair life«, geriet die Sportartikelindustrie unter Druck. Inzwischen ist Kinderarbeit in der Fußballindustrie kein Massenphänomen mehr.

So können wir durch die Kampagne für Saubere Kleidung dazu beitragen, dass sich die Arbeitsbedingungen für die 1500 ArbeiterInnen bei Ocean Sky in El Salvador heute noch verbessern. Dieser Sportbekleidungshersteller beliefert Einkäufer wie Adidas, Reebok, Puma, Gap und Columbia. Die Näherinnen erhalten mit einem Grundgehalt von 72 Cent pro Stunde nur drei Zehntel eines Prozents des Verkaufspreises eines Trikots, das sie nähen. Durch die Kampagne wurden bislang schon bessere Arbeitsrechte erzielt. Dennoch bedarf es weiteren öffentlichen Drucks, damit diese Verbesserungen dauerhaft erhalten bleiben.

Warum also nicht mitmachen, beim Fair Play als spiritueller Herausforderung? „Spiritualität und stillschweigende Teilnahme an einem unterdrückerischen System schließen einander aus“ sagt die Ordensfrau Joan Chittister. Christliche Spiritualität setzt einfach auf Fair Play. Sie setzt sich ein für die Würde des Menschen, weil sie in jedem Menschen, Frau oder Mann, erwachsen oder Kind, Teamkollegen oder Gegner im Spiel, Gott erkennt, der nur Fair Play kennt!

Arbeitsstelle für Frauenseelsorge
der Deutschen Bischofskonferenz

Kaiser-Friedrich-Str. 9
53113 Bonn
(02 28) 2439-411

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Quelle: www.kirche.tv