Der Countdown läuft

von Gabriele Eichelmann

Gabriele Eichelmann, 56, verheiratet, drei Kinder, Pastoralreferentin im Bistum Aachen, zur Zeit Pastorale Mitarbeiterin im Büro der Regionaldekane für die Regionen Mönchengladbach und Heinsberg, verantwortlich für das Engagement der Kirchen bei der FrauenWM 2011.

Wir sind vorbereitet. Die ersten Fahnen schmücken die Stadt seit langem. Das Begleitprogramm für die Tage der FIFA Frauen-WM ist ausgearbeitet. Alle, die dabei mitarbeiten wollen, wissen, was sie zu tun haben. Die Vorfreude steigt.

Aber wissen wir, was uns erwartet? Wir werden – so hoffen wir – Fußballbegeisterte aus viele Nationen und Kulturen zu Gast haben, die die große, weite Welt in unseren Alltag bringen. Wir hoffen auf guten Fußball, erwarten nicht nur Weltklasse-Sportlerinnen, sondern hoch interessante Frauen, deren Biographien Respekt verlangen. Wir wünschen der deutschen Mannschaft Erfolg. Mit der Vorfreude steigt das Interesse am Wetterbericht. Wir hoffen wieder auf ein Sommermärchen und träumen von lauen Sommerabenden auf der Fanmeile und ausgelassenen Autocorsos im Anschluss an gewonnene Spiele.

Nicht auszudenken, wenn wir der Rolle als weltoffene Gastgeberinnen und Gastgeber nicht gerecht würden. Oft schlafen Vorurteilen gegenüber Fremden nur unter einer dünnen Decke. Was ist aber, wenn die recht behalten, die jetzt schon wissen wollen, dass Frauenfußball nicht die gleiche Attraktivität entfalten wird wie der Sport der Männer, auch nicht bei einer WM im eigenen Land? Realisten erinnern daran, dass wir auch schon verregnete Sommer hatten. Klar, der Ball ist rund und Verletzungspech und Misserfolg gehören zum Leben. Aber die Sehnsucht bleibt. Diesmal soll es anders sein.

Die Bibel kennt viele Feste. Solche, die gelingen, und andere, die daneben gehen oder ganz anders verlaufen als erwartet. Die Evangelisten lassen Jesus von Festen erzählen, zu denen die Eingeladenen nicht kommen (Lk 14,15-24), sich unschicklich benehmen (Mt 22,11-14) oder um die besten Plätze rivalisieren (Lk 14,7-11) – wie im richtigen Leben oder wie im Fußball. Das Stadium oder die Fanmeile, die zum Spiel oder public viewing einladen, bleiben leer. Die Freude am fairen Wettkampf geht im Kampf um die besten Tabellenplätze unter. Am Anfang des Johannesevangeliums (Joh 2,1-12) geht es um ein Fest, die Hochzeit zu Kana, bei dem das Catering nicht klappt. Trotzdem gelingt es, dieses Fest durch vereinte Anstrengungen zu retten. Maria, die Mutter Jesu, und die Diener arbeiten zusammen. Auch Fußball ist ein Teamsport.

Das gelungene Fest gilt als Symbol für die Gemeinschaft mit Gott (Joh 2,1-12). Aber der Prophet Jesaja (Jes 25,6-8) wusste schon lange, dass sie nicht das Ergebnis unserer perfekten Vorbereitung und unseres kompetenten Eventmanagements ist, sondern ein Geschenk.

„Der Herr der Heere wird auf diesem Berg für alle Völker ein Festmahl geben mit den feinsten Speisen, ein Gelage mit erlesenen Weinen, mit den besten und feinsten Speisen, mit besten, erlesenen Weinen. Er zerreißt auf diesem Berg die Hülle, die alle Nationen verhüllt, und die Decke, die alle Völker bedeckt. Er beseitigt den Tod für immer. Gott, der Herr, wischt die Tränen ab von jedem Gesicht. Auf der ganzen Erde nimmt er von seinem Volk die Schande hinweg. Ja, der Herr hat gesprochen.“

Der Prophet gibt unserem Herz recht. Es wird das große Fest geben, ohne Ende, bei Gott, nicht nur für einen Sommer, für immer.

Arbeitsstelle für Frauenseelsorge
der Deutschen Bischofskonferenz

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Quelle: www.kirche.tv