Aus dem Abseits… Gemeinsam gewinnen

Von Judith Göd

Judith Göd (32) hat in Bonn Diplomtheologie studiert. Seit 2010 arbeitet sie als Referentin für Frauenpastoral mit dem Schwerpunkt Junge Frauen (20-35 Jahre) im Generalvikariat des Erzbistums Köln. Sie ist im Arbeitskreis "Frauen-WM und Kirche" für den Spielort Leverkusen.

Im Fußball gibt es eine Abseitsregel, weil es um Sieg und Niederlage geht, aber muss das im Leben auch so sein? Obwohl ein wichtiger wirtschaftlicher Grundsatz lautet „Konkurrenz belebt das Geschäft“, sollte das familiäre und gesellschaftliche Zusammenleben möglichst auf Kooperation angelegt sein. Die eigene Erfahrung und der Blick auf viele Frauen in der Gesellschaft zeigen jedoch, dass Frauen im Abseits stehen, weil sich auch im Leben jenseits des Spielfeldes Frauen zu Schiedsrichterinnen aufspielen und anderen Frauen das Gefühl geben, dass sie außen vor sind. Auch wir selbst kennen die Schiedsrichterin in uns, die sich manchmal selbstgerecht und lautstark meldet und andere ins Aus setzt!

Das Phänomen, dass Frauen in Deutschland und in vielen Teilen der Welt im Abseits stehen und das nicht, weil sie als unsere Gegnerinnen darauf aus wären, uns zu besiegen, sondern weil gesellschaftliche Strukturen sie ins Abseits gestellt haben, gibt es leider immer schon. Aber dass „die Welt“ schlecht ist, heißt nicht, dass sie auch schlecht bleiben muss. Zumindest das, was veränderbar ist, sollte auch aktiv und konkret verändert werden!

Mut machend und vorbildlich ist das Verhalten Jesu. Er stellt immer wieder nicht nur Kinder, sondern auch Frauen in die Mitte und rückt sie so aus dem Abseits. Diese Kinder und Frauen sind oft namenlos, so dass es uns leichter fallen könnte, uns mit ihnen zu identifizieren. Wir können unseren eigenen Namen einsetzen, wenn Jesus sich den Frauen heilend zuwendet und beispielsweise sagt: „Dein Glaube hat dir geholfen“ (Lk 7,50). Was weckt in uns und anderen Frauen den Glauben und das Vertrauen auf die Heilkraft und den Segen Jesu?

Ein Beispiel für „abseits“ sind Streitigkeiten. Wie wäre es, manchmal den Ball flach zu halten? Zum Beispiel den Ball der emotionalen Beteiligung, wenn es um die Frage „abseits“ oder „kein abseits“ geht und den Ball der Streitlustigkeit? Bin ich bereit, zu verzeihen und mich zu versöhnen? Kann ich den Ball flach halten und vielleicht mal großzügig etwas überhören, was die Andere vielleicht gar nicht so gemeint hat? Bleibe ich auf dem Boden der Tatsachen und bin vielleicht sogar bereit, meine Versöhnung auch noch durch eine Symbolhandlung zum Ausdruck zu bringen? Was läge unter Fußballspielerinnen, aber auch im Alltag näher, als sich selbst oder gar der Anderen die Füße zu waschen? Schließlich sind es die Füße, die im Spiel die Schritte in Richtung Sieg machen und im Leben sind es die Füße, die den ersten Schritt hin zur Versöhnung setzen. In diesem Sinn: VOR! Lasst uns vorangehen! Das heißt im Spiel: noch ein Tor. Das heißt im Leben: noch eine Versöhnung!

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der Deutschen Bischofskonferenz

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