Von Ingrid Fischbach, Präsidentin des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB)
In wenigen Tagen beginnt in unserem Land die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen. Das deutsche Nationalteam wird seine Höchstleistung bringen, das haben die Spielerinnen schon versprochen. Fairplay und Freude am Sport und der Begegnung sollen im Mittelpunkt der Spiele stehen. Bei einem Titelgewinn werden die Frauen eine Prämie von 60.000 Euro erhalten; ihre männlichen Kollegen sind das Fünffache gewohnt.
Noch gravierender fällt der Unterschied im Verein aus: das monatliche Gehalt einer Bundesligaspielerin ist so gering, dass sie noch einem regulären Beruf nachgehen muss. Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit ist gerade in dieser Domäne ein Fremdwort.
Fußball und Geschlechtergerechtigkeit haben offensichtlich nur wenige Berührungspunkte. Oder gar keine, wenn man auf die Herstellung von Sportbekleidung schaut. Die Nationalspielerinnen werden Trikots von adidas tragen, dem Sponsor des Deutschen Fußballbundes. Die Gewinne des Konzerns sind gegenüber dem Vorjahr um über 130 Prozent gestiegen. Möglich ist diese Summe, weil die Produktion in Asien und Lateinamerika stattfindet. Also in Ländern, wo Löhne sehr niedrig sind, Arbeiterinnen – es sind hauptsächlich Frauen in der Textilindustrie beschäftigt – kaum Rechte haben und ausgebeutet werden und wo die Konzerne die Zulieferbetriebe unter Druck setzen können.
Unter menschenunwürdigen Bedingungen stellen Frauen Sportbekleidung her, auch die Trikots zur Fußball-Weltmeisterschaft. Zehn Stunden und mehr sitzen sie auf engstem Raum in riesigen, stickigen Fabrikhallen an den Nähmaschinen. Unbezahlte Überstunden werden erzwungen und ihre Löhne sind so gering, dass sie die Familie davon nicht ernähren können. Schikanen und Diskriminierungen am Arbeitsplatz sind ein wirksames Mittel, Arbeiterinnen einzuschüchtern und noch mehr Leistung von ihnen zu verlangen. Werden sie krank, arbeiten sie trotzdem weiter - aus Angst, ihren Job zu verlieren. Ist die Auftragslage schlecht, sind Frauen die ersten, die gehen müssen. Von jetzt auf gleich und ohne Kündigungsschutz.
Diese Schattenseiten des Fußballs dürfen in den kommenden Tagen und darüber hinaus nicht ausgeblendet werden. Der Frauenbund setzt sich in seiner internationalen Arbeit für die Rechte von Frauen ein und fordert deshalb die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen von Frauen in der Textilindustrie. Dazu zählen sichere Beschäftigungsverhältnisse, gerechte Löhne, eine faire Behandlung der Arbeiterinnen und Arbeiter sowie das Recht auf Tarifverhandlungen und Vereinigungsfreiheit.
Die Hersteller von Sportbekleidung und Sponsoren rufen wir auf, sich für eine gerechte Welt einzusetzen – in Deutschland und in ihren Produktionsländern. Das Leben und die Arbeit von Frauen muss genauso viel wert sein wie von Männern. Fairplay muss auch außerhalb des Fußballfeldes stattfinden und darf nicht dem eigenen Profit zum Opfer fallen.
Ingrid Fischbach
KDFB-Präsidentin
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Quelle: www.kirche.tv
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